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Abschaffung der Lohnsteuerkarte: Papierlose Kommunikation zwischen Steuerzahler und Finanzamt

Zum letzten Mal können die Bundesbürger in diesem Jahr ihre Lohnsteuerkarten aus dem Briefkasten fischen. Damit geht eine fast 90-jährige Ära zu Ende.

Die Pappkarten werden künftig digitalisiert und heißen dann ELStAM, was abgekürzt 'Elektronische LohnSteuerAbzugsMerkmale' bedeutet. Dieses komplizierte Wortgebilde steht dafür, dass die Kommunikation zwischen Steuerzahler und Finanzamt künftig weitgehend papierlos ablaufen soll.

Im Rahmen des Digitalisierungsprozesses baut das Bundeszentralamt für Steuern in Bonn eine Datenbank auf. Die Arbeitgeber müssen daraus ab 2012 die für die Ermittlung der Lohnsteuer erforderlichen Informationen wie Steuerklasse oder Religionszugehörigkeit abrufen. Die Arbeitnehmer brauchen ihre Lohnsteuerkarte dann auch nicht im Betrieb abzugeben. Stattdessen reicht es aus, wenn bei einem Arbeitgeberwechsel der neue Chef eine spezielle Identifikationsnummer mitgeteilt bekommt. Müssen Lohnsteuerdaten wie die Steuerklasse oder Freibeträge geändert werden, ist dafür künftig ausschließlich das Finanzamt zuständig.

Datenschützer und Steuerberater sehen die Digitalisierung der Lohnsteuerkarte kritisch. Peter Schaar, Bundesbeauftragter für den Datenschutz, bezweifelt beispielsweise, dass die riesige Datensammlung verfassungsrechtlich in Ordnung ist. Zudem befürchtet er, dass die zentrale Datenbank Begehrlichkeiten bei anderen Stellen weckt, da die dort gespeicherten Infos sicherlich auch für Sozialleistungsträger oder Strafverfolgungsbehörden von Interesse wären.

Ähnliche Befürchtungen hegt auch Wolfgang Wawro, Präsident des Steuerberaterverbandes Berlin-Brandenburg. Zusätzlich zum möglichen Datenmissbrauch sieht er Probleme auf seine Berufskollegen zukommen. Für sie und die Angestellten in den Personalabteilungen großer Firmen bedeute die Änderung zusätzliche Arbeit, weil zahlreiche Daten zusätzlich elektronisch erfasst werden müssten. Daher sei die vermeintliche Verwaltungsvereinfachung in Wirklichkeit eine Arbeitsverlagerung vom Finanzamt auf andere Stellen.

Quelle: allgemeine-zeitung.de
Bild: Felix O. (Flickr)

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