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Akademikersteuer: Debatten um Reform der Hochschulfinanzierung in Großbritannien

Um künftig die Finanzierung ihrer renommierten Universitäten zu sichern, denken die Briten derzeit über eine Radikalreform der Hochschulfinanzierung nach. Dabei wird über eine Sonderabgabe diskutiert, die nur Akademiker zahlen müssten. Das Modell wäre weltweit komplettes Neuland.

Der Dachverband der britischen Studentenvereinigungen hat ein Rechenmodell vorgelegt, das in der Tat revolutionär klingt: Hochschulabsolventen sollen 25 Jahre lang 5 Prozent ihres Einkommens als Sondersteuer zur Finanzierung der britischen Universitäten bezahlen. Eine solche Akademikersteuer könnte die bislang erhobenen Studiengebühren ersetzen. Die Höhe des Steuersatzes würde sich nach Einkommen der Absolventen richten. Demnach könnten Hochschulabgänger, die nach ihrem Abschluss ein eher niedriges Gehalt beziehen, davon profitieren, denn sie müssten weniger Abgaben leisten als Spitzenverdiener.

Der Studentenverband National Union of Students (NUS) ist von der Idee überzeugt und hat einen mächtigen Verbündeten an seiner Seite: Wirtschaftsminister Vince Cable von den Liberalen ist ein Befürworter des Systemwechsels. Auch er will gut verdienende Akademiker überproportional für die Kosten ihrer Ausbildung zur Kasse bitten. Nach einem Rechenmodell des NUS, das einen Einkommensfreibetrag von 15.000 Pfund vorsieht, würde beispielsweise ein Lehrer mit einem Anfangsgehalt von 23.000 Pfund im Jahr 400 Pfund im Jahr an Sondersteuern bezahlen, ein angehender Anwalt mit einem Bruttoeinkommen von 45.000 Pfund dagegen 1.500 Pfund.

Noch ist die radikale Reform der Hochschulfinanzierung allerdings nicht beschlossen, da die Konservative Partei von Regierungschef David Cameron bisher nur wenig Begeisterung für die Akademikersteuer gezeigt hat und sich eher für höhere Studiengebühren ausspricht. Ein Konsens herrscht allerdings darüber, dass in Sachen Hochschulfinanzierung etwas geschehen muss. Der finanzielle Druck an den britischen Universitäten, von denen viele noch zu den renommiertesten der Welt gehören, wächst. Allerdings sind die Studiengebühren nicht kostendeckend und die Zahl der Studenten aus dem Inland, auf die der Großteil der Kosten entfällt, wächst kontinuierlich. Allein in diesem Jahr wurden 10 Prozent mehr Studienanfänger zugelassen.

Quelle: faz.net
Bild: ninara (Flickr)

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