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Anonymbewerbung: Mehr Chancengleichheit für Migranten und ältere Arbeitnehmer

Es erscheint zunächst paradox, wenn die Antidiskriminierungsstelle des Bundes Jobsuchenden unter bestimmten Umständen eine Anonymbewerbung empfiehlt. Darunter versteht man Lebensläufe, die weder ein Foto noch Name, Adresse, Geburtsdatum oder Familienstand enthalten. Am liebsten sähe es die zuständige Behörde, wenn anonymisierte Bewerbungen – wie in vielen angelsächsischen Ländern - gar zum Standardverfahren würden.

Doch was soll diese Verschleierungstaktik bezwecken? Hinter der Forderung nach Anonymbewerbungen steckt, dass Menschen mit türkischen Namen, ältere Arbeitssuchende oder Bewerber mit dem falschen Geschlecht häufig trotz hervorragender Qualifikationen von vornherein aussortiert würden. Eine aktuelle Studie belegt, dass türkischstämmige Jobsuchende allein wegen ihres Nachnamens geringere Chancen haben, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden, als ihre deutschen Mitbewerber.

Leider sei es vielfach noch so, dass allein der Name 'Ali' oder das Lebensalter ausreichen, um sofort aus dem Stapel von Bewerbungen aussortiert zu werden. Dies ist aus Sicht der Antidiskriminierungsstelle nicht nur ungerecht und inakzeptabel, sondern auch eine Talentverschwendung.

Bewerbungen ohne Fotos und persönliche Details könnten die Chancen für Menschen mit Migrationshintergrund oder älteren Bewerbern erhöhen, nicht gleich in der ersten Runde ausgemustert zu werden und vielleicht in einem persönlichen Gespräch von ihren Qualifikationen zu überzeugen.

In vielen anderen Ländern hat man laut Antidiskriminierungsstelle bereits positive Erfahrungen mit anonymisierten Lebensläufen gesammelt. Auch Deutschland solle zeigen, dass es darum bemüht sei, Integrationschancen zu verbessern. Einige Unternehmen wie die Deutsche Bank, Lufthansa oder die Telekom gingen bereits mit gutem Beispiel voran.

Kritiker monieren jedoch, dass anonymisierte Lebensläufe zu mehr Bürokratie führen würden. Dabei ließe sich der Auswahlprozess ohne großen Aufwand bewerkstelligen: Die Bewerbungsunterlagen werden derart geteilt, dass die Angaben zur Qualifizierung der betreffenden Person zum Chef kommen, der Rest der Unterlagen jedoch im Sekretariat verbleibt. Name, Adresse, Alter werden auf diese Weise an einer neutralen Stelle verwahrt und sind für das Auswahlgremium nicht sichtbar.

Quelle: spiegel.de
Bild: Pimkie (Flickr)

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