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Arbeitgeber Kirche: Privatleben sollte mit Glaubens- und Morallehre in Einklang stehen

Es begab sich zu einer Zeit Anfang des 21. Jahrhunderts, da ging irgendwo in Deutschland eine Ehe in die Brüche, und die frisch geschiedene Ehefrau, die jahrelang im Dienst der Kirche gestanden hatte, wurde plötzlich von ihrem Arbeitgeber entlassen. So unverständlich diese Geschichte auch klingen mag, ein Einzelfall ist sie nicht.

Neben geschiedenen Schäfchen müssen sich auch bekennende Schwule und Lesben vorsehen, wenn sie ihren Job behalten wollen, denn die Kirchen verlangen von ihren Mitarbeitern, dass sie die Grundsätze der christlichen Glaubens- und Morallehre nicht nur im Job, sondern auch im Privatleben beachten. Und homosexuelle Beziehungen oder Patchwork-Familien sind nun einmal nicht vorgesehen.

Rund 1,3 Millionen Menschen in Deutschland verdienen ihr Geld bei der Kirche. An die 50.000 Unternehmen wie Caritas, Diakonie, Kindergärten, Krankenhäuser oder Verlage befinden sich im Eigentum von Kirchen, Klöstern und deren Einrichtungen. Damit ist die Kirche nach dem Öffentlichen Dienst zweitgrößter Arbeitgeber der Bundesrepublik. Doch auf besondere Nachsicht sollten die angestellten Verwaltungsangestellten, Kindergärtnerinnen, Ärzte oder Sozialarbeiter nicht vertrauen. Ganz besonders dann nicht, wenn sie einen Lebenswandel führen, der nicht gottgefällig ist.

Vor allem hinsichtlich des Kündigungsschutzes genießen die gottergebenen Chefs Privilegien, von denen jeder weltliche Arbeitgeber nur träumen kann. Der Gesetzgeber vertritt zwar eine andere Linie, kann Betroffenen aber auch nicht weiterhelfen, da den staatlichen Gerichten in solchen Verfahren meist die Hände gebunden sind.

Einzig Brüssel hat der kirchlichen Autorität den Kampf angesagt. Mehrmals hat die Bundesregierung inzwischen schon Post von der EU- Kommission erhalten, in der sie wegen einer 'mangelhaften Umsetzung der europäischen Gleichstellungsrichtlinie' im Hinblick auf kirchliche Arbeitnehmer gerügt wurde. Die Kommission will, dass Deutschland seinen Diskriminierungsschutz verbessert und die kirchlichen Sonderrechte beim Kündigungsschutz begrenzt.

Genutzt haben diese Ermahnungen bislang allerdings nicht. Experten rechnen damit, dass erst der Europäische Gerichtshof entscheiden muss, welche Sonderrechte die Kirchen in ihrer Funktion als Arbeitgeber behalten dürfen.

Quelle: focus.de
Bild: Last Hero (Flickr)

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