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Arbeitsrecht: Von vorzeitigen Rückflügen und anderen Urlaubshindernissen

Familie Müller hatte sich seit Monaten auf ihren Sommerurlaub gefreut. Zwei Wochen Erholung an der Türkischen Riviera waren gebucht. Doch einen Tag vor dem Abflug rief der Chef an und orderte Herrn Müller wegen eines Notfalls zurück in die Firma. Der Flieger hob ohne die Familie ab.

Doch ist das rechtens? Darf ein Arbeitgeber tatsächlich ein Reiseverbot aussprechen und eine bereits gebuchte Reise untersagen? Die Antwort lautet: Jein. Ein Reiseverbot ist allenfalls in Extremfällen zulässig. Zum Beispiel dann, wenn die Existenz des Unternehmens auf dem Spiel steht. Wer sich zu Unrecht seines Erholungsurlaubes beraubt sieht, kann seinen Chef mit einer einstweiligen Verfügung beim Arbeitsgericht zur Einhaltung seiner Urlaubszusage verpflichten. Hat man die Reise bereits angetreten und wird zurückgepfiffen, muss der Arbeitgeber die Rückholkosten nicht nur für den Mitarbeiter, sondern unter Umständen für die ganze Familie tragen.

Wie auch immer: Ob man bereits verreist ist oder der bereits gebuchte Urlaub noch ansteht - in beiden Fällen hat der Arbeitnehmer einen Anspruch darauf, seine Reise vollständig und baldmöglichst nachholen zu können. Wird die Reise dadurch teurer, weil die Betroffenen zum Beispiel statt in der Nebensaison auf die Hochsaison ausweichen müssen, muss der Arbeitgeber für die zusätzlichen Kosten aufkommen. Ein Schmerzensgeld für den verpatzen Erholungstrip gibt es gesetzlich allerdings nicht.

Und was passiert, wenn der nervige Chef dem Urlauber ständig E-Mails schickt oder ihn pausenlos anruft? Ganz einfach: Nicht erreichbar sein, Abwesenheitsmail und Mailbox mit Urlaubsnachricht schalten oder ein Handy verwenden, dessen Nummer der Chef nicht kennt. Ein Arbeitnehmer ist nicht verpflichtet, seinem Boss mitzuteilen, wie er im Urlaub zu erreichen ist. Es liegt bei ihm selbst, ob er für Anfragen bereit stehen möchte. Lässt er sich trotz Urlaubs zur Arbeit drängen, sollte er dies nicht umsonst tun. Ein durchgearbeiteter Urlaubstag muss entweder bezahlt oder nachgeholt werden!

Quelle: focus.de
Bild: ~Duncan~ (Flickr)

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