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Arbeitsrecht: Was tun, wenn das Kind krank ist?

Wie lange Berufstätige ihr krankes Kind pflegen und am Arbeitsplatz fehlen dürfen, ist den wenigsten Eltern klar.

Die weit verbreitete Binsenweisheit, dass Papa oder Mama jeweils zehn Tage zu Hause bleiben dürfen, ist so auch nicht richtig. Je nach Einzelfall können die Ansprüche erheblich variieren, wenn der Arbeitsvertrag keinen Passus enthält, der kindbedingte Fehlzeiten verbindlich regelt.

Selbst eingefleischte Arbeitsrechtler können nicht in einem Satz sagen, welche Rechte Eltern von erkrankten Kindern haben. Kein Wunder, wenn mehr als zehn Paragrafen in acht verschiedenen Gesetzen für berufstätige Eltern zu beachten sind. Hinzu kommen Vorschriften aus den einzelnen Tarifverträgen sowie je nach Bundesland völlig unterschiedliche Regelungen für Beamte.

Fest steht nur, dass es keinen generellen Anspruch auf unbezahlten Urlaub wie im benachbarten Ausland gibt. Zwar haben Vater und Mutter durchaus das Recht, ihren Nachwuchs daheim zu pflegen, aber einheitliche Regelungen über die zulässigen Fehlzeiten für Beschäftigte mit Kind gibt es in Deutschland nicht.

Stattdessen flüchtet sich der Gesetzgeber in vage Andeutungen wie in Paragraf 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches, wo es heißt, dass Arbeitnehmer „für eine verhältnismäßig nicht unerhebliche Zeit“ bezahlt fehlen dürfen. Was unter dieser unkonkreten Formulierung genau zu verstehen ist, hat das Bundesarbeitsgericht zuletzt in den 70er Jahren konkretisiert, als man als Richtwert für die Betreuung eines kranken Kindes unter acht Jahren fünf Arbeitstage ausgab.

In Stein gemeißelt ist diese Angabe indes nicht: Vereinzelt erlauben Gerichte Eltern abhängig vom Alter des Kindes und der Dauer des Arbeitsverhältnisses Fehlzeiten bis zu zehn Tage oder sogar mehr.

Relativ klar ist die Rechtslage nur, wenn Arbeitnehmer gesetzlich krankenversichert sind. In diesem Fall darf jeder Elternteil zehn Arbeitstage im Jahr sein Kind unter zwölf Jahren gesund pflegen, bei mehreren Kindern sogar bis zu 25 Tage im Jahr. Alleinerziehende dürfen sich sogar noch längere Fehlzeiten erlauben. Auch die Lohnfortzahlung ist für gesetzlich Versicherte geregelt: Kassenpatienten bekommen 70 Prozent ihres pauschalierten Bruttolohns, maximal jedoch 90 Prozent ihres Nettoeinkommens von der Krankenkasse als sogenanntes Kinderkrankentagegeld.

Für Privatversicherte gelten diese Regelungen nicht. Sie müssen sich mit den vagen Regeln des Bürgerlichen Gesetzbuches begnügen und auf einen verständnisvollen Arbeitgeber hoffen. Übernimmt der Chef ei Fehlzeiten nicht freiwillig den Lohn, müssen Privatversicherte den Verdienstausfall selbst schultern. Gleiches gilt für gesetzlich Versicherte, deren Kind beim privat versicherten Partner mitversichert ist.

Quelle: focus.de
Bild: Phyllis Buchanan (Flickr)

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