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Arbeitszeugnis: Zweideutigkeiten richtig interpretieren können

Es ist ganz wie zu Schulzeiten: Sie nehmen herzklopfend ein Zeugnis entgegen. Aber diesmal nicht aus der Hand eines Lehrers, sonders des Chefs. Und nach dem ersten Lesen sind Sie auch ganz zufrieden: Der Text klingt sehr wohlwollend. Aber ist er das auch tatsächlich? Besonders bei Verhaltensbeurteilungen sollten Sie genau aufpassen, denn viele Beurteilungen enthalten versteckte Codes.

In jeder Branche ist die Benutzung solcher Codes eine übliche Methode, um nicht besonders hoch geschätzten Mitarbeitern eine angenehm klingende Beurteilung mit auf den Weg zu geben. Auch wenn Sie nun glauben, ein gutes Zeugnis bekommen zu haben: Ein neuer Arbeitsgeber kann aus diesen versteckten Codes einiges herauslesen. Besonderes Gewicht hat oft die Einschätzung des Sozialverhaltens.

Wird Ihre "hohe Kompromissbereitschaft" erwähnt, könnte man daraus auf eventuell fehlende Durchsetzungskraft schließen. Wird Ihnen eine übermäßige Kontaktpflege attestiert, gelten Sie schnell als jemand, der lieber ein Schwätzchen hält als zu arbeiten. Werden Sie als "anspruchsvoller und kritischer Mitarbeiter" bezeichnet, sind Sie in den Augen Ihres Chefs ein anspruchsvoller Nörgler. Ein "konstruktiv-kritischer Mitarbeiter" dagegen ist positiv gemeint.

Warum die meisten Arbeitnehmer derart um den heißen Brei reden, anstatt die Schwächen der ehemaligen Mitarbeiter offen zu benennen, hat einen einfachen Grund: Im Arbeitszeugnis ist üble Nachrede eigentlich untersagt. Deshalb wird sie gerne verklausuliert! Aber sie müssen nicht alles hinnehmen: Übertreibungen oder Ironie im Zeugnis sind ein echtes No-Go und sollten nicht akzeptiert werden.

Nicht selten landen Ex-Arbeitgeber und Ex-Arbeitnehmer vor Gericht, wenn ein Arbeitszeugnis nicht den Erwartungen entspricht. Allerdings kann der Arbeitgeber nicht gezwungen werden, positive Eigenschaftenzu bescheinigen. Fehlen darf auch die Formel: "Wir wünschen Ihnen alles Gute für die Zukunft". Sie ist lediglich ein Zusatz, auf dessen Beifügung der Arbeitnehmer keinen rechtlichen Anspruch hat. Nicht fehlen dürfen hingegen die genaue Beschreibung der Tätigkeiten und eine Erklärung über den Umstand der Beendigung des Arbeitsverhältnisses.

Quellen: karriere.de, manager-magazin.de
Bild: sergis blog (Flickr)

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