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Aschewolke: Wer am Flughafen festsitzt, muss umgehend seinen Chef informieren

Normalerweise ist es genau umgekehrt: Sitzt man im Büro, wünscht man sich sehnlichst an einen Flughafen, um in die Ferne zu jetten. Doch zurzeit wünschen sich mehr als 150.000 deutsche Reisende zurück an den Arbeitsplatz. Wegen des eingestellten Flugbetriebs über Europa sitzen sie seit Tagen irgendwo im Ausland fest und wissen nicht, wie und wann sie nach Hause kommen sollen.

Wer nicht rechtzeitig wieder aus dem Urlaub oder von der Geschäftsreise zurück sein kann, muss nach Auskunft der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi seinen Chef so schnell wie möglich über die Lage informieren. Sorgen vor einem Arbeitsplatzverlust sind zwar unberechtigt, allerdings müssen Beschäftige mit Lohnabzügen für die Fehlzeiten rechnen. Eine Kündigung wäre deshalb nichts rechtens, weil der Ausbruch des isländischen Vulkans und das daraus resultierende Flugverbot 'Höhere Gewalt' ist. Das bedeutet, dass Beschäftigte ohne eigenes Verschulden daran gehindert werden, ihrer Arbeit nachzugehen. Ihr Beschäftigungsverhältnis darf deshalb nicht aufgehoben werden.

Allerdings müssen Betroffene ihren Arbeitgeber umgehend informieren und ihm mitteilen, dass man über das Urlaubsende hinaus fehlen wird. Hohe Telefonkosten aus dem Ausland müssen gestrandete Urlauber daher in Kauf nehmen. Sie können aber auch aus dem nächsten Internet-Café eine E-Mail an ihren Chef schicken. Dann allerdings sollten sie die Mail als Absicherung ausdrucken. Wer sich überhaupt nicht meldet, kann wegen unentschuldigten Fehlens abgemahnt werden. Hat ein Angestellter seinen Betrieb über den Zwangsurlaub informiert, kann er auch nicht für Schäden haftbar gemacht werden, die entstehen, weil wegen seines Fehlens wichtige Termine oder Aufträge platzen.

Fehlzeiten über mehrere Tage wegen 'höherer Gewalt' sind im Bürgerlichen Gesetzbuch nicht eindeutig geregelt. Daher ist nicht ganz klar, wer für die Fehlzeiten aufkommt. Arbeitgeber können aber auf einen Kostenausgleich bestehen: Sie können ihre Mitarbeiter dazu verpflichten, die Fehltage nachzuarbeiten oder die Tage von ihren Urlaubskonten abziehen. Auch eine anteilige Reduzierung des Gehalts ist zulässig. Wegen der rechtlich unklaren Situation empfehlen Juristen den Betroffen, ihren jeweiligen Betriebs- oder Personalrat für eine einvernehmliche Lösung hinzuzuziehen.

Quelle: rp-online.de
Bild: rudlavibizon (Flickr)

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