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Notlügen im Vorstellungsgespäch können erlaubt sein

Wenn es bei der Bewerbung um einen aussichtsreichen Job mal zu Notlügen im Vorstellungsgespräch kommt, hängt die Zulässigkeit der Flunkerei von der vorangegangenen Frage des Interviewers und von der Stelle ab, auf die man sich bewirbt. So muss sich ein Verkehrspilot durchaus ausführliche Fragen über das gesundheitliche Befinden gefallen lassen, während in anderen Berufszweigen Fragen nach einer bestehenden Schwangerschaft einer Bewerberin unzulässig sind. Generell gilt jedoch, dass die Nichtbeantwortung einer unzulässigen Frage ein schlechtes Licht auf den Bewerber wirft, auch wenn unverschämte Fragen des Arbeitgebers sogar zu einer Schadensersatzpflicht wegen Persönlichkeitsverletzung führen können.

Wann sind Notlügen im Vorstellungsgespräch erlaubt?

Stellt das Gegenüber Fragen nach dem Beruf der Eltern, nach der aktuellen Wohnsituation oder der Familienplanung, sind Flunkereien zum eigenen Schutz erlaubt. Der deutsche Gesetzgeber räumt Bewerbern und Arbeitnehmern diesbezüglich ein sogenanntes Notwehrrecht auf Lüge ein, das dem individuellen Schutz der Privatsphäre dienen soll. Will der neugierige Personalchef also was über die Freundin oder ihren Beruf wissen, darf man sich ruhig was aus den Fingern saugen, um die unangenehme Fragerei zu umgehen. Im Zweifelsfall sollte man bei übertriebenem Nachhaken jedoch darauf hinweisen, dass allzu private Fragen generell unzulässig sind.

Welche Fragen muss ich wahrheitsgemäß beantworten?

Bei Fragen, die für Bewertung der Eignung zwingend erforderlich und zulässig sind, können Notlügen im Vorstellungsgespräch zu einem Vertragsbruch seitens des Arbeitnehmers und somit zu einer fristlosen Kündigung führen. Da für die zahlreichen Berufszweige jedoch unterschiedliche Einstellungsvoraussetzungen existieren, gibt es keine einheitliche Auflistung der Informationen, die man dem Arbeitgeber zur Verfügung stellen muss. Fragen über die Verfügbarkeit des Arbeitnehmers, Nebenbeschäftigungen, den beruflichen Werdegang oder schwere Behinderungen müssen jedoch wahrheitsgemäß beantwortet werden.

Ausnahmefälle für bestimmte Berufsgruppen

Bewerber, die im Personentransport arbeiten, in medizinischen berufen tätig sind bei der Produktion von Lebensmitteln beteiligt sind, müssen auch gesundheitliche Fragen beantworten. Auch Fragen über Vorstrafen oder schwebende verfahren sind in bestimmten Fällen zulässig. Wer wie Bankangestellte oder Kassierer in Vertrauenspositionen arbeitet, muss sich auch Fragen über die persönlichen Vermögensverhältnisse stellen lassen, da der Umgang mit Bargeld ein Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer voraussetzt. Vor jedem Bewerbungsgespräch sollte man daher genau prüfen, welche Fragen zulässig und in welchen Fällen Notlügen im Vorstellungsgespräch erlaubt sind.

Quelle: focus.de, arbeits-abc.de
Bild: Gerd Altmann (Pixelio)

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