Excite

Burka-Verbot am Arbeitsplatz: Unterschiedliche Regelungen in Privatwirtschaft und Öffentlichem Dienst

Die religiöse Einstellung hat im Arbeitsleben erst einmal wenig zu suchen, doch wenn sich Job und Glaube nicht mehr vereinbaren lassen, weil beispielsweise ein Kopftuchverbot am Arbeitsplatz herrscht, kann es zu Konflikten kommen.

Jüngstes Beispiel für einen solchen Vorfall ist die Burka-Debatte in Frankfurt am Main. Dort sorgt eine Mitarbeiterin des Bürgeramts für Aufsehen, die nur noch vollverschleiert zur Arbeit erscheinen will. Ihr Dienstherr will das verhindern und ein Burka-Verbot für die gesamte Verwaltung erlassen. Der hessische Innenminister Boris Rhein (CDU) unterstützt diesen Vorstoß, denn Beschäftigte des öffentlichen Dienstes und vor allem Mitarbeiter mit Bürgerkontakt dürfen seiner Meinung nach nicht verschleiert sein. Schließlich könne das Tragen einer Burka oder eines Kopftuchs als Zeichen einer Haltung gegen die Werte der westlichen Welt verstanden werden.

Es gibt wohl tatsächlich nur wenige Kleidungsstücke, die so polarisieren wie ein Ganzkörperschleier. Daher wirft der Fall exemplarisch die Frage auf, inwieweit ein Arbeitgeber verlangen darf, dass seine Mitarbeiter im Sinne des Betriebsfriedens auf religiöse Überzeugungen verzichten. Das Problem betrifft nicht nur die Kleiderordnung, sondern beispielsweise auch Gebetspausen während der Arbeitszeit oder Sonderurlaub für religiöse Feiertage.

Was erlaubt und was verboten ist, kann sowohl je nach Unternehmen als auch je nach Art der Arbeit und Position des Mitarbeiters variieren. In etlichen Fällen hat auch die Rechtsprechung schon Stellung bezogen. Grundsätzlich dürfen Arbeitgeber festlegen, in welchem Outfit ihre Mitarbeiter zum Dienst erscheinen. Allerdings müssen die Bekleidungsvorschriften angemessen und dem Arbeitnehmer zumutbar sein. Soll heißen: Wenn der Glaube des Arbeitnehmers eine bestimmte Bekleidung vorschreibt, muss der Arbeitgeber möglichst beide Belange in Einklang bringen. So hält es der Gesetzgeber durchaus für denkbar, dass ein Banker mit Anzug und Turban am Schalter sitzt oder ein Kellner seine Gäste mit Kippa bedient.

Anders sieht es allerdings aus, wenn objektiv gerechtfertigte Gründe wie der Unfallschutz das Tragen einer bestimmten Tracht verbietet. Ist z.B. eine Kombination aus Turban und Helm nicht praktikabel, kann der Arbeitgeber darauf bestehen, dass der Schutzkleidung der Vorzug gegeben wird.

Im Bereich der öffentlichen Verwaltung gelten jedoch andere Spielregeln. Beamte und Angestellte müssen strengere Auflagen akzeptieren, da sich Deutschland als religiös und weltanschaulich neutraler Staat versteht. Daher dürfen in deutschen Klassenzimmern keine Kruzifixe mehr hängen und Lehrerinnen als Repräsentantinnen des staatlichen Bildungswesens kein islamisches Kopftuch tragen.

Quelle: focus.de
Bild: Justin Hall (Flickr)

Deutschland - Excite Network Copyright ©1995 - 2017