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Depressionen im Beruf: Großstadtbewohner am stärksten von psychischen Erkrankungen betroffen

Seit 1990 hat sich die Zahl depressiver Arbeitnehmer mehr als verdoppelt. Psychische Leiden waren 2008 für knapp elf Prozent aller Fehltage verantwortlich. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Bundespsychotherapeutenkammer. Die Behandlung depressiver Störungen kostet die Krankenkassen inzwischen mehr als fünf Milliarden Euro pro Jahr.

Neben einer besseren Diagnostik der Ärzte sind die zunehmenden Belastungen in der modernen Arbeitswelt Ursache dafür, dass der Job immer mehr Beschäftige krank macht. Das Risiko einer Depression nimmt zu, wenn der Betroffene keinen Einfluss auf den Ablauf oder Erfolg seiner Tätigkeit hat und gleichzeitig wenig Anerkennung in Form von Gehalt oder Arbeitsplatzsicherheit erfährt.

Besonders der Dienstleistungssektor ist daher von einer wahren Depressionswelle betroffen, allen voran die Branche der Call- Center. Telefonisten fallen etwa doppelt so häufig mit psychischen Erkrankungen aus wie der Durchschnitt aller Erwerbstätigen. Bauarbeiter erweisen sich als robuster und fehlen laut der Studie ein Drittel bis um die Hälfte seltener wegen Depressionen.

Am anfälligsten für Burn-Out-Syndrome und Depressionen erweisen sich Arbeitnehmer in den Stadtstaaten Hamburg und Berlin. Dort liegt die Zahl der Betroffenen bis zu 50 beziehungsweise 25 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Die niedrigsten Zahlen wurden in Sachsen-Anhalt nachgewiesen. Mögliche Erklärungen könnten der höhere Konkurrenzkampf und der größere Stress in den Städten sein. Zudem gibt es dort auch mehr Dienstleistungsgewerbe, das nach dem Wunsch der Bundespsychotherapeutenkammer für humanere Arbeitsbedingungen sorgen sollte. Speziell im Hinblick auf die Call-Center-Mitarbeiter sollte man beispielsweise überlegen, wie viele konfliktgeladene Gespräche einem Telefonisten pro Tag zugemutet werden könnten.

Kurioserweise belastet der Verlust des Arbeitsplatzes die Psyche aber noch stärker als berufliche Belastungen. Arbeitslose sind laut dem Gesundheitsreport der gesetzlichen Krankenkassen drei- bis viermal so oft von Depressionen betroffen wie Erwerbstätige. Ursache hierfür sei das geminderte Selbstwertgefühl.

Quelle: rp-online.de
Bild: Sean Hanna (Flickr)

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