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Der plötzliche Rauswurf: Fünf Regeln für die Minuten danach

Fast jeder fünfte Deutsche fürchtet derzeit um seinen Job. Das jedenfalls besagt eine aktuelle Studie des Meinungsforschungsinstituts polis, die das Nachrichtenmagazin Focus in Auftrag gegeben hat. Für viele ist es ein Schock, wenn ihnen tatsächlich die Nachricht mitgeteilt wird, dass sie entlassen werden.

In den ersten Minuten nach der Entlassung dominieren nicht die Existenzängste, sondern die Emotionen. Verletzter Stolz, Scham und Selbstmitleid sorgen dafür, dass viele Betroffene den Kopf verlieren und unüberlegte Zugeständnisse machen oder Formfehler übersehen, die ihnen eigentlich Vorteile verschaffen könnten. Denn oftmals sind Kündigungen unwirksam, weil das Unternehmen Fristen nicht einhält, keinen stichhaltigen Grund nennt oder den Betriebsrat nicht informiert. Daher ist es gut, sich bereits im Vorfeld schlau zu machen, wie man bei einer Kündigung am besten reagiert. Fünf Regeln helfen dabei, Haltung zu bewahren und das Beste aus der Situation herauszuholen.

Business as usual: Arbeitsrechtler empfehlen, nach einer Kündigung zurück ins Büro zu gehen und bis zum Ablauf der Kündigungsfrist zu arbeiten, als wäre nichts geschehen. Geht der Betroffene nach der Hiobsbotschaft sofort nach Hause, um den Schock zu verdauen, könnte ihm der Chef das als Arbeitsverweigerung auslegen. Das gilt nicht für Arbeitnehmer, die fristlos gefeuert werden. Sie sollten sofort das Haus sofort verlassen, um der Gefahr zu entgehen, noch etwas falsch zu machen. Denn die wenigsten Gekündigten reagieren rational. Während einige in sich zusammenfallen, explodieren andere und beschimpfen ihren Vorgesetzten.

Nichts mitgehen lassen: Nach ausgesprochener Kündigung sollte man nicht sofort einen Notkoffer mit Büroequipment oder wichtigen Adressen und Dateien packen. Ein solcher Akt ist riskant. Wer sich erwischen lässt, wenn er Kundendaten oder Konzepte mitnimmt, Software kopiert oder Dateien zerstört, liefert dem Chef den ersehnten Grund für eine fristlose Kündigung.

Um Bedenkzeit bitten: Nichtsstun - zumindest in den ersten 24 Stunden ein bewährtes Mittel. Der schlimmste Fehler, den Entlassene machen können, ist es, überstürzt Zugeständnisse zu machen oder unüberlegt Auflösungsverträge zu unterzeichnen. Der Chef ist auf das Gespräch vorbereitet und hat sich überlegt, worauf er hinaus will. Der Arbeitnehmer ist dagegen völlig überrumpelt.

Fachanwalt einschalten: Grundsätzlich raten Arbeitsrechtler sogar dazu, keine Unterschrift ohne Rechtsbeistand zu leisten. Ein Fachanwalt kostet zwar Geld, weiß dafür aber, wo Arbeitgeber und -nehmer Fehler machen. Und ein Rechtsbeistand bedeutet Entlastung, da er alle Verhandlungen führt – notfalls bis zur Klage. Das Honorar richtet sich nach der Höhe des Gehalts. Wer nur mal ausloten möchte, wie seine Chancen stehen, sollte mit einem Arbeitsrechtler einen Beratungstermin mit Stundenhonorar vereinbaren. Fachanwälte verlangen zwischen 170 und 250 Euro pro Stunde.

Geduld haben: Nach einer Kündigung lohnt es sich meist nicht, noch um den Job zu kämpfen. Stattdessen sollte man um eine Abfindung oder zumindest eine Umschulung oder Fortbildung pokern. Arbeitgeber spielen dabei auf Zeit und hoffen, dass der Ex-Mitarbeiter nervös wird, wenn sich das Verfahren in die Länge zieht. Dann ist Geduld gefragt, denn irgendwann einigt man sich immer. Die Abfindung wird allerdings erst gezahlt, wenn der Prozess abgeschlossen ist – solange muss der Gekündigte vom Arbeitslosengeld beziehungsweise von der Arbeitslosenhilfe leben.

Quelle: focus.de
Bild: Lachlan Hardy (Flickr)

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