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Deutsche Traditionsunternehmen: Überleben oder untergehen

Die Namen der Traditionsfirmen, die in den letzten Jahren in die Insolvenz gingen, lesen sich wie ein Who is Who des deutschen Mittelstandes: Schiesser, Märklin, Rosenthal, Escada. Andere Unternehmen konnten die Krise mehr oder weniger unbeschadet überstehen: Der Textilfabrikant Trigema, der Wurstwarenspezialist Schwarz Cranz oder der Kamerahersteller Leica. Warum haben diese Firmen überlebt, während andere krachend in die Pleite rauschten?

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Risikominimierung als Überlebensstrategie

Wichtig ist laut Unternehmensforscher Helmut Kormann die Selbstdisziplin: Nicht zu schnell wachsen und nicht zu viel Geld an die Eigentümer ausschütten. "Es geht nicht um das Gewinnen, sondern um das Verhindern des Scheiterns", so Kormann. Risikominimierung ist also die Devise. Außerdem muss die Bereitschaft vorhanden sein, sich Veränderungen im Geschäftsfeld zu stellen und sich gegebenenfalls anzupassen.

Dazu gehört notfalls auch, alte Zöpfe ganz abzuschneiden: So betreibt der Duisburger Mischkonzern Haniel, der Mitte des 18. Jahrhunderts als Kolonialwarenlager gründet wurde, kein Geschäft mehr aus der Anfangszeit. Wer den Wandel schneller verinnerlicht als andere, hat bessere Überlebenschancen. Der Ditzinger Werkzeugmaschinenhersteller Trumpf etwa kann völlig neue Geschäftsfelder erschließen, als er seine Blechschneidemaschinen in den neunziger Jahren mit Lasertechnik bestückt.

Starke Identität durch langjährigen Familienbesitz

Entscheidend für die Überlebensfähigkeit eines Unternehmens ist auch die Mitarbeiteridentifikation. Langlebige Firmen haben eine starke Identität, sind oft über Generationen hinweg in der Hand einer Familie. Bei Schwarz Cranz beispielsweise hat mit Kristin Schwarz gerade die sechste Generation das Sagen, beim Pharmakonzern Merck sogar schon die zwölfte. Wenn in solchen Unternehmen harte Entscheidungen gefällt werden, geht die Belegschaft mit – weil Unternehmensleitung und Beschäftige an einem Strang ziehen, wenn es um die Werte geht. "Firmen in Familienhand denken nicht in Quartalen, sondern in Generationen", sagt Helmut Kormann dazu. Eine Analyse Kormanns verdeutlicht dies: Von 34 Börsengesellschaften mit breit gestreuten Anteilen, die Kormann im Jahr 1991 untersuchte, existierten 2006 noch 15 als selbstständige Unternehmen. Von 23 familiengeführten Firmen gab es 2006 noch 22.

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