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Diskriminierung im Job: Trotz neuer Gesetze scheuen viele Betroffene den Klageweg

Ein Homosexueller, der nicht befördert wird, Macho-Sprüche vor der jungen Auszubildenden, Witze über Farbige: Diskriminierung im Job hat viele Gesichter. Trotz neuer Gesetze ist es schwer, sich zu wehren.

Diskriminierung am Arbeitsplatz kann ganz unterschiedlich aussehen: Benachteiligung im Bewerbungsverfahren, die nicht erfolgte Beförderung, persönliche Beleidigungen oder sexuelle Belästigungen. Doch überraschenderweise hat es seit Inkrafttreten des Antidiskriminierungsgesetzes im Sommer 2006 keine Klagewelle gegeben. Zwar meldeten die Antidiskriminierungsstelle des Bundes rund 6.000 Anfragen von Arbeitnehmern, doch anders als von der Wirtschaft befürchtet, konnten sich nur die wenigsten Arbeitnehmer zu einer Klage durchringen. Einzig bei Kündigungsschutzklagen oder Klagen auf Teilzeitbeschäftigung werde eine mögliche Diskriminierung inzwischen häufiger als Argument angeführt.

Wer sich gegen eine Diskriminierung wehren möchte, hat neben einer Klage noch weitere Möglichkeiten zur Gegenwehr: In jedem Unternehmen muss es eine Beschwerdestelle für Diskriminierungsfälle geben. Zunächst kann man bei den jeweiligen Ansprechpartnern versuchen, den Vorfall intern zu klären. Auch der Betriebsrat kann oftmals helfen. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes ist zwar ebenfalls Anlaufstelle für alle Diskriminierungsfälle, hat allerdings kein eigenes Klagerecht: Auf Wunsch des Diskriminierten kann die Institution aber den jeweiligen Arbeitgeber um Stellungnahme bitten und eine Vermittlung anbieten. Wenn auch das nicht hilft, bleibt nur die Klage vor einem Arbeitsgericht.

Klagen nach dem Antidiskriminierungsgesetz sind bereits möglich, bevor es zu einem bestehenden Arbeitsverhältnis kommt. Wird in einem Bewerbungsverfahren ausdrücklich ein Mann gesucht, kann sich eine nicht eingestellte Frau dagegen wehren. Allerdings muss es Anhaltspunkte dafür geben, dass sie wegen ihres Geschlechts nicht eingestellt wurde. Dann muss der Arbeitgeber z.B. nachweisen, dass er den Mann ausschließlich wegen seiner besseren Qualifikation eingestellt hat.

Quelle: sueddeutsche.de
Bild: Brendan Wood (Flickr)

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