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Frauenquote: Politik und Wirtschaft setzen auf Selbstregulierung

Wenn Frauen in deutschen Chefetagen anzutreffen sind, dann meist in den Vorzimmern. Wenn sich Vorstand oder Aufsichtsrat treffen, bleiben die Herren überwiegend unter sich. Dieses Ungleichgewicht ist der Politik ein Dorn im Auge.

Immer wieder haben namhafte Politiker in den letzten Jahren Appelle in Richtung Wirtschaft entsandt, doch bitte endlich mehr Frauen in Führungspositionen zu befördern. Und jetzt endlich, nach jahrelangen Aufrufen, kommt langsam etwas Bewegung in die Männerdomäne: Die Telekom beispielsweise verordnete sich medienwirksam eine Frauenquote. Bis 2015 will der Konzern 30 Prozent der oberen und mittleren Leitungspositionen mit weiblichen Kräften besetzen. Auch mehrere Dax-Konzerne engagierten unlängst weibliche Vorstandsmitglieder, darunter der Waschmittelriese Henkel, der seit Herbst 2009 eine Frau an der Aufsichtsratsspitze hat. Zudem präsentierten auch SAP und Eon erste weibliche Vorstandsmitglieder, Siemens sogar eine zweite Spitzenfrau.

Dennoch können sich die Topmanagerinnen der börsennotierten Firmen nach wie vor ohne Raumnot zur Vollversammlung in ihr Büro einladen, stellte Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger nüchtern fest. In den Vorständen der 100 umsatzstärksten Unternehmen ist der Frauenanteil nach Angaben des Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) im vergangenen Jahr sogar unter ein Prozent gefallen. In den Aufsichtsräten sind aber immerhin zehn Prozent der Mitglieder weiblich.

Obwohl die Politik ihren Druck erhöht, will sie die Einführung einer Frauenquote erst einmal verhindern und stattdessen auf Selbstregulierung setzen. Die Expertenkommission 'Corporate Governance' der Bundesregierung hat bereits neue Empfehlungen in ihren Kodex für börsennotierte Firmen aufgenommen. Aufsichtsräte sollen künftig konkrete Ziele für die angemessene Berücksichtigung von Frauen nennen und öffentlich über die Umsetzung dieser Ziele berichten, damit Frauenförderung kein bloßes Lippenbekenntnis bleibt. Dass Frauen für Spitzenjobs bestens qualifiziert sind, ist in Politik und Wirtschaft gleichermaßen unbestritten: Hochschul- Absolventinnen machen oft bessere Examen und bringen weibliche Kompetenzen mit.

Quelle: karriere.de
Bild: Dirk Baranek (Flickr)

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