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Führungskraft auf Probe: Chef sein will gelernt sein!

Viele Aufstiegswillige fürchten sich trotz aller Ambitionen vor dem Chefsessel und fragen sich, ob dieser für sie nicht doch eine Nummer zu groß ist. Solche Zweifel sind gar nicht selten, denn frischgebackene Führungskräfte erleben Druck von allen Seiten. Sie müssen Geschick und Ausdauer ebenso an den Tag legen wie Kompetenzen, die weit über das Fachliche hinausgehen. Ob man zur Führungskraft auch wirklich taugt, zeigt sich meist erst in der Praxis. Wie gut, dass es inzwischen Seminare gibt, in denen man als Chef auf Probe testen kann, ob man mit den Anforderungen zurechtkommt.

Zu den Vorreitern in Sachen Führung auf Probe gehört die Versicherungsgesellschaft Deutscher Ring in Hamburg. Dort wurde ein Programm entwickelt, das angehenden Führungskräften Klarheit über ihre Eignung verschafft. Das 'Orientierungscenter' ist ein Simulationsprojekt für zehn Teilnehmer. In dem Planspiel bekommen die Teilnehmer alle typischen Machtinsignien wie ein großes Büro, einen Informationsvorsprung und ein Mitarbeiter-Team sowie ein imaginäres Budget, das verwaltet werden muss.

In drei Tagen durchlaufen die Kandidaten typische Führungssituationen. So müssen sie zum Beispiel ein Mitarbeitergespräch mit einem fingierten Alkoholiker führen, Eilaufträge der Geschäftsleitung abarbeiten, bestimmte Ziele erreichen oder demotivierte Mitarbeiter wieder aufbauen. Das Erleben von verdichteter Führung führt die Mitspieler an Grenzen und setzt sie bewusst unter Stress. Nicht alle sind dieser Situation gewachsen. Doch Scheitern ist in diesem Kurs keine Schmach, sondern dient der Selbsterkenntnis.

Auch Airbus startet gerade das Programm 'Talent-Weg', bei dem herausragende Mitarbeiter in einem Trainingszentrum 18 Monate lang in unterschiedlichen Zusammenhängen und simulierten Situationen ihre Chefqualitäten beweisen können. Neu ist außerdem ein 'Senior-Talent '-Programm, das dabei helfen soll, vor allem intern Führungskräfte zu gewinnen. Im Rahmen dieser Bestenauslese werden den Kandidaten brach liegende Projekte übertragen. Wer sich erfolgreicfh bewährt, kann nach 18 Monaten in eine Führungsposition aufsteigen. Wer scheitert, wird jedoch nicht übernommen. Mut und Risikobereitschaft sind deshalb Grundvoraussetzungen. Meist zahlt sich das Wagnis jedoch aus, denn die Kandidaten bekommen umfassende Einblicke und lernen die offiziellen und inoffiziellen Regeln und Hierarchien des Unternehmens kennen.

Quelle: faz.net
Bild: Steven Depolo (Flickr)

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