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Generation Praktikum: Alles nur ein Mythos?

Wenn man zwei kürzlich veröffentlichten Studien des Bundesarbeitsministeriums glauben darf, dann gibt es die Generation Praktikum gar nicht. Nur zwölf Prozent der Hochschulabsolventen müssen der Untersuchung zufolge nach ihrem Abschluss noch ein Praktikum absolvieren.

Das angebliche Massenphänomen von mit Hungerlöhnen abgespeisten Jung-Akademikern existiert demnach nicht. Das Bundesarbeitsministerium jedenfalls ist überzeugt, dass es junge Berufseinsteiger heute nicht schwerer haben als ihre Eltern. Nur wer schlecht ausgebildet sei, bekomme Probleme. Frisch diplomierte Uni-Absolventen, die sich von Praktikum zu Praktikum hangeln oder von einem befristeten Job zum nächsten durchschlagen müssten, aus Sorge vor der Zukunft und der unsicheren Arbeitssituation keine Familie gründen könnten – all diese verbreiteten Klischees verbannen die beiden Studien ins das Reich der Fabel.

Auch Arbeitsmarktforscherin Corinna Kleinert vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg bestätigt, dass man die Generation Praktikum empirisch nicht belegen könne. Ob jemand eine sichere Stelle finde, hänge in erster Linie von seinen Qualifikationen ab. Studieren lohne sich nach wie vor. Besonders in technischen Berufen werde es in zehn Jahren aufgrund der demografischen Entwicklung zu wenig Akademiker geben.

Bereits jetzt müsste es mehr Studenten geben, um allmählich die geburtenstarken Jahrgänge zu ersetzen, die in den nächsten Jahren in Rente gehen. Arbeitsforscher erwarten deshalb einen sich verschärfenden Fachkräftemangel. Allerdings wird sich dieser nicht nur auf Hochschulabsolventen beziehen, sondern auch auf geeigneten Nachwuchs in handwerklichen Berufen. Dort hat man schon seit mehreren Jahren große Schwierigkeiten, geeignete Bewerber zu finden. Allein im vergangenen Jahr blieben 10.000 Lehrstellen unbesetzt!

Nicht widerlegen konnten die Studien jedoch den Trend, dass der Anteil atypisch Beschäftigter mit Befristungen, Zeitarbeit oder Teilzeit steigt. Von 16 Prozent im Jahr 1998 stieg er auf 22 Prozent im Jahr 2008. Jeder elfte Arbeitsvertrag hat nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden bereits ein Verfallsdatum.

Quelle: sueddeutsche.de
Bild: Namics (Flickr)

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