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Generation Praktikum: Politik will angemessene Entlohnung durchsetzen

Endlich mal eine gute Nachricht für die Generation Praktikum: Bundesarbeitsminister Olaf Scholz will Praktikanten mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung zu einer angemessenen Entlohnung verhelfen. Erreichen will er dies über eine Klarstellung im Bürgerlichen Gesetzbuch: Aus Unkenntnis werde eine bereits bestehende Vorschrift des Berufsbildungsgesetzes zur angemessenen Vergütung von Praktikanten oft unterlaufen.

Darüber hinaus will Scholz eine schriftliche Vereinbarung für Praktika zur Pflicht machen, in der der Erwerb bestimmter beruflicher Kenntnisse festgelegt werden soll. Für seinen Vorstoß rechnet der SPD-Politiker mit breiter Unterstützung in der Koalition. Praktika seien durchaus sinnvoll, aber es gebe vielfach einen Missbrauch, gegen den etwas Sinnvolles unternommen werden solle. Ein Verbot von Praktika strebt Scholz jedoch nicht an.

Eine Studie im Auftrag der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), für die mehr als 2.000 junge Menschen zwischen 18 und 34 Jahren befragt wurden, hatte zuvor ergeben, dass 51 Prozent derjenigen, die trotz abgeschlossener Ausbildung ein freiwilliges Praktikum absolvierten, keine Bezahlung erhielten. Bei zwölf Prozent war die Vergütung unangemessen. Die Studie fand auch heraus, dass lediglich 31 Prozent der jungen Leute nach der Ausbildung sofort eine unbefristete Vollzeitstelle erhielten. Bei fast der Hälfte funktionierte der Einstieg erst auf Umwegen, 25 Prozent befanden sich noch in einer Übergangsphase.

Deshalb beginnt heute für immer mehr Berufseinsteiger die Laufbahn mit einem Praktikum. Am häufigsten genutzt wird dieser Praxiseinstieg von Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung (31 Prozent), gefolgt von Erwerbstätigen mit Studienabschluss (24 Prozent). Selbst 19 Prozent der betrieblich ausgebildeten Jugendlichen absolvieren im Anschluss noch ein Praktikum.

Auch das Arbeitsgericht Kiel hat sich vor wenigen Monaten für die Praktikanten stark gemacht: In diesem Fall ging es um einen Kläger, der für ein befristetes Praktikum mit einer Vergütung von 200 Euro für 38,5 Stunden in der Woche "eingestellt" wurde. Nach erfolgreichem Abschluss wurde ihm ein Ausbildungsplatz in Aussicht gestellt. Dazu kam es jedoch nicht. Der Kläger forderte daraufhin die übliche Vergütung eines solchen Berufs für den Zeitraum seines Praktikums ein. Das Arbeitsgericht gab ihm Recht und entschied, dass ein Praktikant ein Anrecht auf die volle Arbeitsvergütung hat, wenn seine Arbeitsleistung dem Ausbildungszweck überwiegt.

Quelle: handelsblatt.com
Bild: GregTheBusker (Flickr)

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