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Gleichberechtigung - ein langsamer Wandlungsprozess

Wenn es darum geht, dass Frauen und Männer die gleichen Möglichkeiten bekommen sollen, fühlen sich manche Männer schon heute übervorteilt - laut einer Studie der "Bild der Frau" glauben nur 29% dass noch mehr gemacht werden muss und die meisten Befragten sind überzeugt, dass der Stand der Gleichberechtigung gut so ist, wie er ist.

Gleiche Rechte, gleiche Pflichten?

Das Problem ist das einer Übergangsphase: Frauen bekommen heute neue Aufgaben und übernehmen mehr Verantwortung im Beruf. Jemand muss in den Familien aber einspringen und jetzt Verantwortung und Aufgaben im Haushalt übernehmen. Kein Wunder, dass Männer dafür nicht gerne bereit stehen, wenn der Schritt in die Karriere für Frauen als "Befreiung" verstanden wird - immerhin festigt das die Vorstellung, alles was Frauen traditionell getan haben, sei einfach schlechter als zu arbeiten.

Gleichberechtigung soll das Ergebniss des Wandlungsprozesses sein, aber an manchen Ecken scheint man zu übersteuern: Viele Männer haben das Gefühl, auf einmal "Alles" können zu müssen. 71% können sich noch nicht vom Gefühl frei machen, dass Frauen von ihnen ewarten, die Familie mit ihrem Gehalt zu versorgen - und immerhin 60% der Frauen wollen auch genau das.

Männer müssten also beruflich erfolgreicher sein als Frauen, trotzdem nur einen Halbtagsjob haben und dann in der anderen Hälfte der Zeit Kinder und Haushalt zu 50% übernehmen - das ist schwer zu schaffen. Weder Männer noch Frauen sehen besonders gute Chancen für ein Modell, dass "Familie und Arbeit" in einer Person vereinigt. Die meisten erwarten von ihrem Chef kein Verständnis für den Wunsch nach Teilzeitarbeit, weil die Familie mehr Aufmerksamkeit bekommen soll. Für Frauen bedeutet das immerhin "nur" dass sie die vermeintlich neuen, zusätzlichen Anforderungen nicht erfüllen können. Männern schwimmen gefühlt alle Felle davon, weil sie sich nicht einmal mehr auf ihr altes Territoritum zurückziehen können: Der Mann, der im Job alles kann und zu Hause das Feld seiner Frau überlässt, ist out.

Studie mit Vorsicht genießen

Natürlich gilt auch für diese Statistik, dass sie eher mit Vorsicht zu genießen ist. Immerhin lauteten die Auswahlmöglichkeiten für Männer und Frauen: "Für die Gleichberechtigung der Frau müste mehr getan werden", "Es ist gut so, wie es ist", "Was da gemacht wird, ist zum Teil schon übertrieben" und "Unentschieden".Wenn man also zumindest an einem Teil der Aktivitäten unter der Überschrift "Gleichberechtigung" zweifelt, gehört man zu den Ablehnenden - und wer denkt, dass wir auf einem guten Weg sind, befürwortet auch nicht mehr Gleichberechtigung. Das könnte die Statistik leicht ins Negative verzerren.

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