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Irrtümer aus dem Arbeitsrecht: Entlassene stehen eher mit leeren Händen da als mit satter Abfindung

Die Exporte knicken ein, Branchen taumeln, Kündigungen häufen sich – deutsche Arbeitnehmer sind derzeit in großer Sorge. Viele Angestellte glauben auch jenseits der Führungsetagen, dass ihnen bei einer Entlassung eine Abfindung zusteht - allein schon wegen langjähriger Betriebszugehörigkeit. Doch die Realität sieht meist anders aussieht.

Nicht nur das Thema 'Abfindung' ist mit diversen Mythen verbunden. Auch andere Halbwahrheiten und Fehleinschätzungen zum Thema Arbeitsrecht sind weit verbreitet. Denn nicht alles, was der Flurfunk so berichtet, entspricht auch den Tatsachen. Wir räumen mit ein paar gängigen Irrtürmern auf.

Wer gefeuert wird, hat Anspruch auf eine Abfindung: Nein, ein pauschaler Anspruch darauf besteht nicht und lässt sich oftmals nur einklagen. Das liegt zum einen am umfassenden Kündigungsschutz, den deutsche Arbeitnehmer genießen. Für eine Kündigung braucht ein Arbeitgeber triftige Gründe. Diese kann jeder gekündigte Arbeitnehmer vor einem Arbeitsgericht überprüfen lassen. Entweder bekommt er recht und darf seinen Job behalten (dann fließt auch keine Abfindung). Oder er verliert den Prozess. Dann ist die Kündigung rechtens und ein 'Schmerzensgeld' für den Verlust des Jobs ausgeschlossen. Es gibt aber auch Sonderkonstellationen, in denen Beschäftigte ausnahmsweise eine Abfindung verlangen können. Zum Beispiel dann, wenn Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen entsprechende Regelungen enthalten.

Erst nach drei Abmahnungen darf der Chef kündigen. Falsch! Der Irrglaube, dass der Chef auf kleinere oder größere Verfehlungen erst mit diversen blauen Briefen reagieren muss, entbehrt jedoch Grundlage. Richtig ist, dass der Arbeitgeber seinen Mitarbeiter grundsätzlich auf sein Fehlverhalten hinweisen muss, bevor er eine Kündigung ausspricht. Dieser Abmahnung muss genau zu entnehmen sein, woran der Chef konkret Anstoß nimmt. Der Angestellte bekommt daraufhin die Chance, sein Verhalten zu ändern.

Doch auch hier gilt: Kein Grundsatz ohne Ausnahme. Bei besonders schwerwiegenden Verfehlungen ist eine vorherige Abmahnung des Arbeitnehmers entbehrlich. Bei einem Spesenbetrug zulasten des Chefs darf dieser den Mitarbeiter beispielsweise fristlos entlassen. In den letzten Monaten zeigte sich zudem, dass selbst vermeintliche Kleinigkeiten wie eine gegessene Frikadelle oder ein paar Maultaschen reichten, um rausgeworfen zu werden. Fazit: Wer klaut, riskiert seinen Job, auch wenn die gestohlene Sache nur einen geringen Wert hat.

Quelle: focus.de
Foto: OUCHcharley (Flickr)

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