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Japan: Ohne Englischkenntnisse ist der Zug für japanische Angestellte bald abgefahren

Dass die meisten Japaner nur über mangelhafte Englischkenntnisse verfügen, ist weltweit kein Geheimnis. Sogar der Internationale Währungsfonds hat dies den Asiaten in einer Untersuchung bescheinigt: Von 34 Industrieländern schnitten die Japaner beim 'Test of English as a Foreign Language' am schlechtesten ab.

Englisch ist zwar auch in Japan ein verpflichtendes Schulfach, doch da bis heute wesentlich mehr Wert auf die Vermittlung theoretischen Wissens und grammatikalischer Strukturen als auf das Sprechen gelegt wird, können viele Japaner englische Texte nur lesen und verstehen, nicht jedoch frei Englisch sprechen.

Inzwischen gibt es jedoch Bestrebungen, die sprachlichen Wissenslücken zu füllen. Der Online-Händler Rakuten beispielsweise will ab 2012 Englisch als Arbeitssprache einführen – sogar dann, wenn nur Japaner im Raum sind. Hinter diesem Vorstoß steckt vor allem eine ambitionierte Wachstumsstrategie: Rakuten-Vorstandschef Hiroshi Mikitani will schon bald die Nummer eins der weltweiten Internet- Dienstleistungsunternehmen sein. Für ein Unternehmen, das künftig in 27 Ländern vertreten sein will, ist Englisch als Unternehmenssprache unerlässlich.

In Japan kommt der verordnete Sprachwechsel noch einer Art Kulturrevolution gleich. Jedoch steht Mikitani mit seinen Plänen nicht mehr ganz alleine da. Auch die Handelskette Fast Retailing, die unter anderem die Billig-Bekleidungskette Uniqlo betreibt, will in zwei Jahren Englisch zumindest bei solchen Sitzungen einführen, in denen ausländische Mitarbeiter anwesend sind. Zudem weisen auch die Präsidenten so großer japanischer Konzerne wie Hitachi verstärkt darauf hin, dass Japaner mehr und besser Englisch lernen müssen, weil ihre Arbeitgeber sich immer stärker zu globalen Unternehmen entwickeln.

Ab 2012 werden Bewerber ohne Englischkenntnisse bei Rakuten keine Chance mehr auf eine Anstellung haben. Damit die sprachliche Umerziehung rechtzeitig klappt, gibt es für die 6.000 Mitarbeiter ein internes Wörterbuch, das Redewendungen, die in den einzelnen Abteilungen immer wieder gebraucht werden, ins Englische übersetzt. Zudem kommen freitags nach Arbeitsschluss Sprachlehrer zu den Mitarbeitern ins Büro.

Quelle: faz.net
Bild: Tinou Bao (Flickr)

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