Excite

Jobverlust: Unfreiwilliger Dauerurlaub löst häufig Identitätskrise aus

Mit einem Job verdient man nicht nur Geld. Ein fast ebenso wichtiger, aber oftmals unterschätzter Aspekt ist, dass eine Berufstätigkeit Sinn und Identität stiftet.

Wer insgeheim den arbeitslosen Nachbar um seinen Dauerurlaub beneidet, verkennt, dass man seine Freizeit nur dann richtig genießen kann, wenn sie irgendwann auch ein Ende hat. Wer seine Beschäftigung verliert, hat nichts mehr zu erzählen. Langfristig drohen die gesellschaftliche Isolation und eine Belastung der Psyche, die zur Gefahr für die Gesundheit werden kann.

Wer Arbeit hat, fühlt sich als ein nützliches Mitglieder der Gesellschaft. Die meisten Menschen brauchen einen Job, um glücklich zu sein. Dennoch wissen viele Arbeitnehmer ihren Job häufig nicht zu schätzen. Eine Befragung des amerikanischen Meinungsforschungsinstituts Gallup Organization ergab im vergangenen Jahr, dass 67 Prozent der deutschen Angestellten ihren Dienst nach Vorschrift machen. Jeder Fünfte hat sogar bereits innerlich gekündigt. Lediglich 13 Prozent sind mit Herzblut und Begeisterung bei der Sache.

Zu noch drastischeren Ergebnissen kommt eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes, erstellt vom Internationalen Institut für empirische Sozialökonomie. Demnach finden 32 Prozent der Deutschen quer durch alle Branchen und Hierarchiestufen ihren Arbeitsplatz 'schlecht'. Neben der Belastung, dem mangelnden Respekt von Vorgesetzten und der niedrigen Bezahlung nannten sie vor allem die fehlende Sicherheit ihres Arbeitsplatzes als Begründung.

Eine Jobsicherheit gibt es heute tatsächlich immer seltener. Jeder zweite Berufseinsteiger bekommt nur noch einen befristeten Vertrag. Mehr als die Hälfte der Betroffenen fühlt sich dadurch psychisch unter Druck gesetzt, denn bereits die Angst vor Arbeitslosigkeit kann Menschen krank machen. Nur die Wenigsten werden künftig noch eine Stelle auf Lebenszeit bekommen. Viele Arbeitnehmer werden zwischendurch immer wieder mal arbeitslos sein. Damit muss man umgehen können. Insofern ist der arbeitslose Nachbar so etwas wie die gesellschaftliche Vorhut. Anstatt ihn anzufeinden, sollte man ihn als Menschen betrachten, der vor der schweren Aufgabe steht, ein neues Lebensmodell zu entwickeln.

Quelle: zeit.de
Bild: Samael Kreutz (Flickr)

Deutschland - Excite Network Copyright ©1995 - 2017