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Kündigung: Frikadelle und Fischbrötchen als Zankapfel

Eine Sekretärin wurde nach 34 Jahren wegen einer Frikadelle entlassen. Ein anderer Mitarbeiter wegen "Stromdiebstahls": Er hatte im Büro sein Handy aufgeladen. Fälle wie diese sorgten in letzten Wochen immer wieder für Schlagzeilen und allgemeines Unverständnis.

Doch eines zeigen diese Kündigungen ganz deutlich: Was für viele Arbeitnehmer ein Bagatelldelikt ist, ordnen Chefs oft ganz anders ein. Kugelschreiber einstecken, private Kopien machen oder zu oft krank sein – man kann seinen Job auf vielfältige Weise aufs Spiel setzen. Aber mitunter ist man nicht mal selbst schuld, sondern wird mit fiesen Tricks rausgeekelt, ohne sich wehren zu können.

Krankheit: Wer längerfristig erkrankt, wird für den Chef untragbar. Mitunter passiert es, dass man nach der Genesung plötzlich einen anderen Kollegen auf seinem alten Arbeitsplatz vorfindet. Doch ist das erlaubt? Ja, das Gesetz gibt dem Chef recht: Mitarbeitern, die länger als ein Jahr krank sind und bei denen keine Aussicht auf Besserung besteht, dürfen wegrationalisiert und evtl. sogar entlassen werden.

Alter: Den besonderen Kündigungsschutz älterer Mitarbeiter kann ein Arbeitgeber mit einem fiesen Trick umgehen: Er erfindet einfach ein neues Anforderungsprofil. Wenn der langjährige Angestellte es nicht schafft, sich in eine für ihn vollkommen neues Aufgabengebiets einzuarbeiten, kann er ganz legal rausgeworfen werden.

Rufmord: Unliebsamen Mitarbeitern wird sexuelle Nötigung unterstellt. Der glaubhafte Gegenbeweis ist nicht zu erbringen. Wenn dann auch noch die Kollegen aus Angst vor dem Chef gemeinsam falsch aussagen, ist der Job weg – und man kann nichts machen!

Diebstahl: Einer Restaurant-Mitarbeiterin, die sich drei abgelaufene Fischbrötchen eingepackt hatte, darf gekündigt werden. Obwohl die Brötchen sowieso weggeworfen worden wären. Egal! Das Gericht gab ihrem Chef recht! Ganz ähnlich der Fall der Kuchenverkäuferin, die ein Stück Bienenstich aus der Auslage genommen und gegessen hatte. Auch sie wurde fristlos entlassen und scheiterte mit einer Klage.

Doch dürfen Arbeitgeber einfach fristlos kündigen, ohne vorher eine Abmahnung ausgesprochen zu haben? Ja, und zwar, wenn der Anlass zur Kündigung verhaltensbedingt ist oder häufiger vorkommt. Dazu gehören Vermögensdelikte wie Diebstahl zu Lasten der Firma oder Kollegen, massiver Arbeitszeitbetrug oder schlimme Beleidigungen und Handgreiflichkeiten gegenüber Vorgesetzten oder Kollegen. Der Wert des Diebesguts spielt dabei keine Rolle.

Geklaut ist geklaut – da reichen schon die Frikadelle oder das Brötchen. Auch ein bloßer Verdacht kann schon zur Kündigung reichen. Denn nur im Strafrecht gilt die Devise: im Zweifel für den Angeklagten. Lediglich der Stromdieb hatte Glück: Seine Kündigung wurde wieder aufgehoben!

Quelle: bild.de
Bild: svensonsan (Flickr)

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