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Laptop-Verbot an US-Universitäten: Konzentration auf das Wesentliche

Während der Siegeszug der Laptops an deutschen Hochschulen noch anhält, haben Professoren in den USA den mobilen Computern vielerorts den Kampf angesagt. An zahlreichen Universitäten des Landes, darunter der Georgetown University in Washington, der University of Virginia, der American University in Washington und dem College of William and Mary in Williamsburg, haben einige Dozenten ein Verbot von Notebooks in ihren Lehrveranstaltungen ausgesprochen. Wer ihren Vorträgen zuhören will, darf nur noch Stift und Papier mitbringen.

Vom Einzug der Technik in ihren Vorlesungen und Seminaren waren die Professoren nur noch genervt. Wenn man den Studierenden einen Laptop erlaubte, sei das so, als lege man ihnen fünf verschiedene Zeitschriften, mehrere Fernsehserien, ein Telefon und einen Shopping-Katalog auf den Tisch. Konzentrationsfördernd sei das nicht. Ganz im Gegenteil. Die Notebooks hätten der Konzentration der Studenten stark geschadet.

Die Hochschuldozenten sind überzeugt, dass die Studenten nur vorgaben, sich Notizen zu machen. Stattdessen hätten sie jedoch dank Wireless Lan lieber E-Mails oder Blogbeiträge geschrieben, bei Youtube reingeschaut, die Ergebnisse ihrer Fußballmanschaft abgerufen oder sogar Videospiele gespielt.

Die Erfahrung des amerikanischen Professors David Cole von der Georgetown University scheint das zu bestätigen. Sechs Wochen nach seinem Laptop-Verbot führte er eine anonyme Umfrage unter seinen Studenten durch. Darin räumten fast 80 Prozent ein, ohne Computer engagierter an den Diskussionen teilzunehmen. Und fast alle gaben zu, ihren Laptop in den Vorlesungen zuvor tatsächlich anderweitig genutzt zu haben.

In Deutschland ist man noch nicht so weit, Notebook-Verbote an Universitäten auszusprechen. Auch wenn die ersten Professoren etwas genervt sind, da sich in vielen Fachbereichen ein Viertel der Studenten in der Vorlesung hinter ihren Bildschirmen versteckt. In technischen und naturwissenschaftlichen Studiengängen sind es sogar noch weitaus mehr. Während die Hochschullehrer befürchten, dass sich die Studenten von ihren Notebooks ablenken lassen und den Anschluss verlieren, halten die Studierenden dagegen, dass sie ohne den Laptop auf einem Block herumkritzeln, schlafen, stricken oder Karten spielen würden. Diese Art der Zerstreuung sei früher auch nicht verboten worden.

Quelle: sueddeutsche.de
Bild: Nic McPhee (Flickr)

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