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Lehramt: Kritik an zunehmendem Zurückgreifen auf Quereinsteiger wächst

Nach Schätzungen des Deutschen Philologenverbands fehlen derzeit bis zu 45.000 Lehrer. Vor allem in Mathe und Physik herrscht akuter Mangel.

Zwei Drittel dieser Stellen können nicht von ausgebildeten Pädagogen besetzt werden. Und so kommt es, dass immer mehr Quereinsteiger dort einspringen, wo ausgebildete Lehrer fehlen. Vielerorts unterrichten gelernte Förster bereits Biologie, während arbeitslose Ingenieure den Physikstoff vermitteln oder Studenten Unterrichtsstunden übernehmen.

Lehrerverbände warnen allerdings vor dieser Entwicklung. Ein Förster könne kaum über die notwendigen didaktischen Fähigkeiten verfügen. Zudem seien Quereinsteiger schnell wieder weg, wenn ihnen ein besserer Arbeitsplatz auf dem freien Markt angeboten würde. Das zunehmende Zurückgreifen auf Studenten und arbeitslose Akademiker ohne pädagogische Ausbildung stelle eine Entprofessionalisierung ihres Berufsstands dar. Dies schade dem Ansehen der Pädagogen und mindere die Attraktivität für angehende Lehramtsstudenten.

Kritik an den 'Lückenfüllern' kommt vor allem aus Rheinland-Pfalz und Berlin. In der Hauptstadt sind nach Angaben der Bildungsgewerkschaft GEW bis zu 400 MINT-Lehrerstellen vakant. Im Zuge des Aufschwungs habe bereits die Rückkehr von Informatikern in die Wirtschaft begonnen. Das Berliner Schulsystem beginnt daher in diesem Halbjahr mit grundlegenden Veränderungen. Als zweite Säule neben dem Gymnasium treten neue Sekundarschulen an die Stelle von Haupt-, Real- und Gesamtschulen.

Auch in Rheinland-Pfalz wird mit der Einführung einer 'Realschule plus', die auch das Fachabitur anbieten kann, die Schulstruktur umgebaut. In der schwierigen Phase des Umbaus fordern die Lehrer eine volle Unterrichtsversorgung und darüber hinaus eine Reserve. Doch das wird nicht ohne Quereinsteiger möglich sein.

Quelle: sueddeutsche.de
Bild: Ivo Schwalbe (Flickr)

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