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Lehrstellen: Gute Zeiten für Bewerber, schlechte Zeiten für Unternehmen

Deutschland geht langsam der Nachwuchs aus. Und so kommt es, dass in Zeiten der tiefsten Rezession theoretisch genügend Ausbildungsplätze für den Nachwuchs vorhanden wären. “Jeder, der ausbildungswillig und -fähig ist, bekommt auch einen Ausbildungsplatz”, versprach unlängst der Präsident der Berliner Industrie- und Handelskammer. Allein in der Hauptstadt waren zu Beginn des Lehrjahres unzählige Ausbildungsplätze noch unbesetzt.

Sogar die Bundesagentur für Arbeit (BA) meldet Entspannung. Bislang hätten 515.500 Bewerber eine Lehrstelle gesucht - ein Viertel weniger als 2007. Zum dritten Mal in Folge ist die Zahl der Ausbildungsplatzbewerber damit gesunken. Allerdings suchen immer noch viele Altbewerber eine Stelle, die 2008 oder 2007 nicht zum Zuge kamen.

Besonders dramatisch ist der Bewerbermangel in Ostdeutschland: 2009 machten 16 Prozent weniger Schüler ihren Abschluss als noch im Vorjahr. Dabei waren es 2008 schon rund 12 Prozent weniger gewesen. Im Westen wird der Geburtenrückgang voraussichtlich ab dem kommenden Jahr auf den Ausbildungsmarkt durchschlagen. Für Politik und Heranwachsende bringt das erst einmal Entlastung. Die Demographie erledigt in den nächsten Jahren die Probleme am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt von selbst.

Allerdings sind das keine guten Nachrichten: Was die jungen Leute freut, ist für die Unternehmen eine Katastrophe. Nach einer Umfrage des DIHK haben 2008 schon 21 Prozent der Firmen nicht mehr alle Lehrstellen besetzen können. Manche Arbeitgeber greifen schon zu ungewöhnlichen Mitteln, um Kandidaten zu finden: Ein großes Energieunternehmen in Ostdeutschland bietet Schulabgängern 100 Euro, damit sie überhaupt an einem Eignungstest für die Ausbildung teilnehmen.

Hinzu kommt, dass es bei den Schulabgängern oft mit dem Lesen, Schreiben oder Rechnen hapert. Konnten sich die Unternehmen früher noch die besten Schüler raussuchen, müssen sie heute oftmals Abstriche beim Anforderungsprofil machen. Allerdings nur bis zu einer gewissen Grenze: Jeder fünfte Bewerber bekommt trotz üppigem Angebot keinen Ausbildungsplatz, weil seine Bildung zu schlecht ist. Die Kandidaten landen dann meist in umfangreichen Übergangssystemen, Praktika oder Jobs für Geringqualifizierte. Die Folge davon könnte sein, dass deutsche Firmen bald dahin abwandern, wo es genügend Nachwuchskräfte gibt.

Quelle: faz.net
Bild: Gerald Hensel (Flickr)

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