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Lohnzurückhaltung: Deutsche Löhne steigen kaum

Im europaweiten Vergleich liegt Deutschland nicht nur ganz vorne, wenn es um Export geht, sondern auch bei der Lohnzurückhaltung. In keinem anderen Land in Europa sind die Bruttolöhne in den letzten zehn Jahren so wenig gestiegen wie in Deutschland. Jetzt fordern Ökonomen, Gewerkschaften und Bundesregierung das Ende der Lohnzurückhaltung.

Wie das Statistische Bundesamt berichtete, sind die Löhne und Gehälter von 2000 bis zum ersten Quartal 2010 gerade mal um 21,8 Prozent gestiegen. Der durchschnittliche Lohnzuwachs in der EU lag im gleichen Zeitraum bei 35,5 Prozent. Die Auswertung von Daten aus 21 der 27 EU-Länder aus dem ersten Quartal 2010 zeigte außerdem, dass die Löhne im vergleichsweise armen Rumänien mit 559 Prozent am stärksten gestiegen sind. Ein geringer Zuwachs an Bruttolöhnen war neben Deutschland auch in Portugal (plus 29,9 Prozent), Frankreich (plus 30,5 Prozent) und Österreich (plus 30,9 Prozent) zu verzeichnen.

Kritik an der deutschen Lohnzurückhaltung kommt nicht nur von Gewerkschaften und Arbeitnehmern. Nachdem sich die deutsche Wirtschaft nach ihrem Absturz im Jahr 2009 eindrucksvoll zurückgemeldet hat, plädieren auch die meisten Ökonomen und selbst die Bundesregierung für Lohnerhöhungen.

Auch die EU-Nachbarn fordern das Ende der Lohnzurückhaltung in Deutschland. So hat beispielsweise Frankreich wiederholt kritisiert, dass sich Deutschland mit Lohndumping Vorteile gegenüber Franzosen, Briten oder Spaniern verschaffe. Tatsächlich spielt der geringe Lohnzuwachs im vergangenen Jahrzehnt eine entscheidende Rolle beim Exporterfolg Deutschlands.

Doch angesichts des starken Aufschwungs haben sich jetzt Bundeskanzlerin Angela Merkel und Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (beide CDU) offen für höhere Lohnabschlüsse ausgesprochen. Ob das tatsächlich das Ende der Lohnzurückhaltung bedeutet, bleibt abzuwarten.

Quelle: rp-online.de, wirtschaft.t-online.de
Bild: Ernst Rose (Pixelio)

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