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Raumnot an Universitäten: Vorlesungen in Zelten, Kirchen und Kinos

Zu Semesterbeginn platzen die Hörsäle vieler Unis aus allen Nähten. Hunderte Studierende quetschen sich in die Sitzreihen, sitzen auf den Treppen und blockieren die Eingänge, um die Einführungsveranstaltungen und ihre ersten Vorlesungen nicht zu verpassen. An manchen Hochschulen ist die Not so groß, dass übergangsweise kreative Ausweichquartiere geschaffen wurden.

An der Universität Paderborn beispielsweise wird derzeit in Festzelten unterrichtet. Von den Behelfshörsälen aus weißen Planen gibt es vier Stück mit je 80 Plätzen. Im laufenden Wintersemester müssen Studenten und Dozenten sich mit dieser Notlösung arrangieren, auch wenn es anfangs recht kalt und zugig war. Doch inzwischen werden die Heizkörper früher eingeschaltet, so dass in den Zelten keine arktischen Temperaturen mehr herrschen. Angesichts der erwarteten Studentenflut in den kommenden Jahren wird in Paderborn momentan viel gebaut, unter anderem neue Seminarräume in einem ehemaligen Baumarkt. Doch bis zur Fertigstellung wird es noch dauern. Tröstlich ist nur, dass in den kommenden Monaten niemand mehr auf dem Gang sitzen oder im Flur stehen muss.

Studenten der Universität Kassel werden gerade in göttlicher Umgebung mit neuem Wissen infiltriert. Wer etwa die Vorlesung 'Werkstofftechnik 2' besucht, muss zur Auferstehungskirche in der Kasseler Mombachstraße gehen. Der Asta findet diesen Zustand allerdings unzumutbar, da die Studenten von den hölzernen Bänken schon Rückenprobleme bekommen hätten. Neben weiteren Kirchen hat die Universität auch einen Saal im Kasseler Klinikum und einen Klassenraum in einer Berufsschule angemietet. Abhilfe ist erst in zwei Jahren in Sicht, denn dann soll ein neues Hörsaalzentrum fertig sein.

Auch im österreichischen Graz hat man die Studierenden vor einem Jahr kreativ umgesiedelt. Das beliebte Massenfach Betriebswirtschaftslehre war derart überfüllt, dass die 1.150 Erstsemester nur in einem großen Kino Platz fanden. Auch wenn der Teppichboden klebt und die abgestandene Luft nach Popcorn riecht - die BWler in Graz nehmen es gelassen. Der Dekan der Sozialwissenschaften rechnet damit, dass das Interesse an den Einführungsvorlesungen zur Mitte des Semesters abflaut. Ab Anfang Januar werde sich das Platzproblem mangels Anwesenheit von selbst erledigt haben.

Quelle: spiegel.de
Bild: this.is.seba (Flickr)

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