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Revolutionäre Arbeitszeitmodelle: Urlaub ohne Limit - Fluch oder Segen?

Es klingt wie ein Traum: Die 600 Mitarbeiter des Online-Filmverleihers Netflix in den USA dürfen so oft und so lange Urlaub nehmen, wie sie wollen. Zwar verlangen die Chefs auch von ihnen Leistung, aber wie viel Zeit ihre Angestellten für die Erledigung ihrer Aufgaben brauchen, ist ihnen egal.

Kein Vorgesetzter zählt die Urlaubstage. Die Chefs wollen lediglich wissen, wo ihre Mitarbeiter sich gerade aufhalten, ob ihre Arbeit erledigt ist oder von einem anderen übernommen werden muss. Bis 2004 schrieb Netflix seinen Mitarbeitern eine bestimmte Anzahl von Urlaubstagen vor. Doch das Modell war den Angestellten zu starr und ließ sich nicht mit deren Bedürfnis nach Flexibilität vereinbaren. Einerseits checkten sie am Wochenende E-Mails oder brüteten nach Feierabend zu Hause weiter über Probleme. Andererseits gingen sie an manchen Tagen früher, um das kranke Kind aus dem Kindergarten abzuholen oder einen Arzttermin wahrzunehmen.

Der Vorstand hatte alsbald ein Einsehen und geißelte begrenzte Urlaubstage als 'ein Relikt aus dem Industriezeitalter'. Viel wichtiger als die Zahl der Arbeitstage sei schließlich, was die Mitarbeiter leisten. Richtlinien, Vorschriften und Regelungen seien Innovationskiller. Das Netflix-Credo besteht heute darin, den Mitarbeitern mehr Freiheit zu geben, denn dadurch fühlten sie sich ernster genommen.

In den USA ist Netflix inzwischen bekannt für seine ungewöhnliche Unternehmenskultur und zündende Idee. Ein ähnliches Urlaubsmodell hat auch IBM. Die Angestellten in den Vereinigten Staaten können seit 2003 je nach Ressort mindestens drei Wochen Urlaub im Jahr nehmen. Es zählt jedoch niemand, wie viele Tage sie tatsächlich nehmen. Allerdings zeigen die Erfahrungen der IBM-Mitarbeiter, dass unbegrenzter Urlaub nicht zwangsläufig zu mehr Ausgeglichenheit führt: Im Jahr 2007 berichteten Mitarbeiter der 'New York Times', dass mit der Abschaffung der Urlaubsbegrenzung die Grenzen zwischen Privat- und Berufsleben aufgeweicht worden seien. Dies liege daran, dass sie in ihrer freien Zeit viel öfter ihre E- Mails und Mailbox checkten.

Ob die Mitarbeiter von Netflix oder IBM seit Abschaffung der starren Regelungen insgesamt mehr oder weniger Urlaubstage nehmen, können beide Unternehmen nicht sagen. Denn die Auszeiten werden ja nicht mehr gezählt.

Quelle: spiegel.de
Bild: Claus Rebler (Flickr)

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