Excite

Schuften neben dem Studium – was die Arbeit wirklich bringt

Wer sich für ein Studium entschieden hat, ist meist knapp bei Kasse. Die Zeit für Nebenjobs ist begrenzt, die Stundenlöhne sind nicht üppig und Rücklagen konnten zuvor kaum aufgebaut werden. Das ist an allen Studienorten so, von Flensburg bis nach Konstanz. Es werden zwar von Studierenden keine Reichtümer erwartet trotzdem brauchen sie ein gesichertes Einkommen, das ihnen den Freiraum zum Lernen ermöglicht. Wer ständig um die Mietzahlungen kämpft und zum Monatsende auf Essens-Einladungen des Nachbarn angewiesen ist, wird dazu gezwungen falsche Prioritäten zu setzen.

    princese/ Flickr.com

Das liebe Geld

In Deutschland verfügte ein Student im Durchschnitt über 804 Euro im Monat. Ein Teil dieses Geldes kam von den Eltern oder aus BAföG-Zahlungen. Ein anderer Teil aus Krediten, von Gönnern in der Verwandtschaft und Freundeskreis oder aus dem zurückgelegten Notgroschen aus Kindertagen. Ein nicht geringfügiger Teil wurde neben dem Studium erarbeitet, zumindest traf dies auf die Mehrheit der Studenten zu.

Es scheint eine einfache Rechnung zu sein: Je reichhaltiger die Ausschüttungen von Staat und Elternhaus ausfallen, desto weniger muss nebenbei gearbeitet werden. Oder anders gesagt, desto mehr Zeit bleibt für das Studium.

Jenseits des Durchschnitts

Ganz so simpel ist es in der Praxis jedoch nicht. Denn es spielen viele Faktoren eine Rolle, wie die Erhebung "Fachkraft 2020" der Maastricht University und der Zeitarbeitsfirma Studitemps belegt. So ist schon der Durchschnittslohn zum Beispiel für denjenigen irrelevant, der am unteren Ende der Einkommensskala liegt. Die Befragung hat ergeben, dass immerhin 7 Prozent der Studenten über mehr als 1.300 Euro im Monat verfügen konnten. Jeder hundertste musste dagegen mit weniger als 400 Euro über die Runden kommen.

Regionale Unterschiede

Noch deutlicher werden die Diskrepanzen, wenn man die Zahlen auf die einzelnen Bundesländer und Universitätsstädte herunterbricht. Die regionalen Unterschiede sind gravierend, sowohl bei den Lebenskosten, als auch bei den Verdienstmöglichkeiten. DieKosten für Mieten steigen, doch der Verdienst hält nicht Schritt. Die 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks belegt, dass die Mieten für Studenten in den vergangenen drei Jahren in allen Bundesländern signifikant gestiegen sind - wenn auch mit prozentualen Unterschieden. Real am teuersten ist es im Ländervergleich in Hamburg mit durchschnittlich 345 Euro pro Monat; am günstigsten in Berlin mit 242 Euro. Das Lohnniveau blieb dagegen weitgehend unverändert.

Aufs richtige Verhältnis kommt es an

Viel Aussagekraft besitzen die reinen Mietzahlen nicht. Wer mehr Geld in der Tasche hat oder verdienen kann, dem werden einige Euro mehr im Monat für eine warme Studentenbude nicht stören. Weit interessanter ist daher die Frage: Wie lange muss ein Student in seinem Studienort im Nebenjob arbeiten, um diese Miete tatsächlich zu verdienen. Das Ergebnis dürfte in den Details überraschen. So steht zwar tatsächlich Hamburg an der Spitze– hier müssen die Studenten 38,57 Stunden für die Monatsmiete arbeiten und auch München zählt mit 37,52 Stunden zu den Spitzenreitern bei der längsten Arbeitszeit für die Miete. Dazwischen rangieren aber Bamberg und Rostock. Gerade Mecklenburg-Vorpommern ist jedoch in der reinen Mietbetrachtung günstiger als jedes der alten Bundesländer. Wie kommt also Rostock – als der große Studienort Mecklenburg-Vorpommern in die Top 5? Ganz klar, aufgrund der extrem niedrigen Stundenlöhne. Dort, im Norden, besser Nord-Osten, gibt es nämlich im Durchschnitt nur 7,84 Euro, während in München satte 10,34 Euro pro Stunde gezahlt werden. Da gleicht es sich schnell aus, dass die Durchschnittsmiete in Rostock knapp unter 300, die in München aber bei fast 380 Euro liegt.

Mehr Wissen für mehr Lohn

Bei allen Zahlenspielen bleibt die Frage, was Studenten unternehmen können, um die Arbeitszeit im Nebenjob in erträglichen Grenzen zu halten, ohne den notwendigen Zuverdienst zu schmälern. Erfreulicher Weise gibt es hier so manchen Tipp, der alltagstauglich scheint. So sollte versucht werden, beim Nebenjob in einem Bereich unterzukommen, der mit dem Studienfach im Zusammenhang steht. Auf diese Wege können nicht nur wertvolle Erfahrungen gesammelt werden, der Arbeitgeber zahlt auch von Beginn an mehr – immerhin weiß er den Experten von morgen im Haus. So lag der Durchschnittslohn gemäß Erhebung der Maastricht University um 12 Prozent über dem aus studienfernen Tätigkeiten. Nachgewiesen wurde auch, dass sich bestimmte Studienfächer besonders gut für „begleitende“ Jobs eignen. Gerade angehende Medienwissenschaftler und Erziehungswissenschaftler treffen demnach auf gute Bedingungen.

Flexibilität zahlt sich aus

Wichtig für die Höhe des Verdienstes ist auch die Zeiteinteilung. Wer flexibel auf die Wünsche des Arbeitgebers reagieren kann, ohne sein Studium zu vernachlässigen, wird eine größere Bandbreite an beruflichen Angeboten bedienen können. Eine Tätigkeit allein in den Sommerferien beschränkt die Auswahl dagegen sehr.

Und noch eine Möglichkeit in Sachen Flexibilität bleibt: Der Umzug nach Flensburg oder Wuppertal. In diesen Städten ist das Verhältnis aus Arbeitszeit und Miethöhe mit rund 27 Stunden am besten. Praxisnah ist diese Lösung allerdings kaum.

Deutschland - Excite Network Copyright ©1995 - 2017