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Studienbeginn: Elterntage als Abschiedszeremonie

Wenn die erwachsenen Kinder ihr Studium antreten, würden viele Eltern am liebsten mit zur ersten Vorlesung gehen. Obwohl die Sprösslinge volljährig sind, einen Führerschein haben und alleine in den Urlaub fahren, fällt es Eltern zunehmend schwerer, ihren Nachwuchs ins Studentenleben zu entlassen.

Amerikanische Unis haben inzwischen auf diese Entwicklung reagiert und offizielle Abschiedszeremonien etabliert. Am Morehouse College in Atlanta beispielsweise marschieren die Erstsemester nach den Begrüßungsreden gemeinsam durch das Eingangstor des Uni-Campus. Symbolträchtig schließen sich hinter den Studenten die Tore. Die Eltern bleiben zurück.

Damit die Studienanfänger unbehelligt und ohne elterliche Aufsicht ihre Zimmer im Wohnheim beziehen und ihre Kommilitonen kennenlernen können, werden Eltern an der Universität von Minnesota mit einem eigenen Empfang abgelenkt, damit sie ihren Kindern nicht in die Quere kommen. An der Elite-Uni Princeton findet man im Stundenplan des ersten Tages deutliche Worte: Nach 17.30 Uhr sind alle weiteren Orientierungsangebote ausschließlich für Studenten gedacht. Die Erstsemester können ihren Eltern diesen Zettel unter die Nase halten, anstatt ihnen deutlich zu sagen, dass sie endlich gehen sollen.

Es kommt gar nicht so selten vor, dass sich amerikanische Eltern zu Semesterbeginn ein Zimmer in der Nähe der Uni nehmen, um für ihren Nachwuchs ständig erreichbar zu sein. Mehrere SMS-Nachrichten pro Tag und tägliche Anrufe sind die Regel. Einige Erzeuger wandern sogar mit zur ersten Vorlesung.

Auch in Deutschland haben Professoren in den letzten Jahren beobachtet, dass das Verhältnis von Studenten und ihren Eltern viel enger geworden ist als früher. Als erste Universität hat die Hochschule in Freiburg bereits 1996 einen Erstsemester-Familientag ins Leben gerufen und damals viel Spott von den Medien geerntet. Doch der Erfolg war groß: Bereits beim ersten Treffen kamen 400 Menschen, im letzten Jahr waren es mehr als 3.000. Dieses Mal findet die Veranstaltung aus Platzmangel nicht mehr in den Hörsälen statt, sondern in extra aufgestellten Zelten. Der Familientag in Freiburg ist fast schon so etwas wie ein Initiationsritus: Die Eltern übergeben ihre Kinder offiziell an die Universität.

Quelle: sueddeutsche.de
Bild: Conor J. Meagher (Flickr)

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