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Bewerbung: Achtung bei Krankheitsfragen im Vorstellungsgespräch

Was wollen Arbeitgeber beim Vorstellungsgespräch nicht alles wissen. Auch Fragen über mögliche Krankheiten oder Vorerkrankungen des Bewerbers gehören mittlerweile zum Repertoire der Personaler. Dabei sind diese nicht immer zulässig und können in bestimmten Fällen sogar zu Schadensersatzansprüchen führen. Damit das Bewerbungsgespräch ein voller Erfolg wird, sollte man sich vorab darüber informieren, welche Angaben man machen muss und welche Notlügen im Nachhinein zu einer Kündigung wegen arglistiger Täuschung führen können.

Wann darf sich der Arbeitgeber im Vorstellungsgespräch nach Krankheiten erkundigen?

Je nach Branche und Aufgabengebiet muss der Arbeitgeber versuchen sicherzustellen, dass beim Bewerber keine Krankheiten bestehen, die die Eignung für die gesuchte Tätigkeit beeinträchtigen. Gehört beispielsweise langes Stehen zum Alltag im gewünschten Job, sind Bandscheibenvorfälle und schwere Rückenleiden ein Ausschlusskriterium. Auch bevorstehende Operationen, die für einen längerfristigen Ausfall des Arbeitnehmers sorgen könnten, müssen erwähnt werden. Das Gleiche gilt für Krankheiten, die eine Ansteckungsgefahr für Arbeitskollegen und Kunden bedeuten könnten.

Wo ist Schluss mit der Fragerei?

Hat eine mögliche Erkrankung keinen negativen Einfluss auf die Eignung des Bewerbers, sind Krankheitsfragen im Bewerbungsgespräch unzulässig. Dies gilt auch für Nachfragen bezüglich psychiatrischer oder psychotherapeutischer Behandlungen, wie im Falle eines promovierten Diplom-Biologen, der sich um eine Stelle als Biologe mit akademischem Titel in einem medizinischen Forschungsbetrieb beworben hat. Für den Arbeitgeber war sein steifer Gang ein Hinweis auf eine rheumatische Erkrankung, die seines Wissens nach häufig zu Depressionen führt.

Dem Wunsch nach einer Röntgenuntersuchung der vermuteten Rheumaerkrankung widersprach der Bewerber, woraufhin die Bewerbung abgelehnt wurde. Daraufhin klagte dieser vor dem Arbeitsgericht auf Entschädigung nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Das Gericht gab der Klage mit der Begründung statt, dass derartige Fragen eine Diskriminierung durch Vermutung einer Behinderung darstellen. Das Urteil wurde jedoch in zweiter Instanz abgewiesen, jetzt muss das Arbeitsgericht den Fall neu entscheiden.

Auch wenn Erkrankungen bestehen, die sich nachteilig auf eine mögliche Einstellung auswirken könnten, sollten beim Bewerbungsgespräch stets wahrheitsgemäß geantwortet werden, da eine unbedachte Notlüge im schlimmsten Fall dazu führen kann, dass einem eine Kündigung wegen arglistiger Täuschung ins Haus flattert.

Quelle: rp-online.de, fucus.de
Bild: P.Kirchhoff (Pixelio)

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