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Wie leben Ausländer in Deutschland? Erfahrungen von Andrea - Grafikdesigner und Modefotograf in Berlin

Hallo, wer bist du, stellst du dich kurz vor?

Ich heiße Andrea D’Auria, bin 25 Jahre alt und komme aus Rom.

Wie lange lebst du schon in Deutschland und was hat dich hierher verschlagen?

Ich lebe seit drei Jahren und sechs Monaten in Berlin. Damals habe ich eine kleine Reise im Rahmen meines Studiums nach Berlin unternommen - und war total begeistert von dieser Stadt. Gleich nachdem ich mein Studium abgeschlossen hatte, bin ich aufgebrochen mit der Absicht, mich der Herausforderung zu stellen - ich wollte besonders in beruflicher Hinsicht wachsen und suchte nach Bestätigung. In einem Land wie Italien, damals war der Höhepunkt der wirtschaftlichen Krise noch gar nicht erreicht, sah ich nicht so viel Möglichkeiten mich auszuprobieren und als internationaler Grafikdesigner zu arbeiten - jedenfalls nicht so, wie es in Städten wie London oder Berlin möglich ist.

Mit lediglich 700 Euro in der Tasche bin ich los - ich buchte drei Übernachtungen in einem Hostel am Rosa-Luxemburg-Platz und nahm das Flugzeug von Rom nach Berlin. Niemand hat mich erwartet und ich konnte kein Wort Deutsch (allerdings sprach ich sehr gut Englisch).

Was hast du vorher gemacht?

Ich habe visuelle Kommunikation am Quasar Institut in Rom studiert - das Studium dauerte drei Jahre.

Was machst du jetzt?

Ich bin dabei, einen sechsmonatigen Kurs in Modefotografie zu beenden. Und ich arbeite als Freelance-Designer für verschiede Projekte, vor allem im Bereich Musik.

Willst du irgendwann nach Italien zurückkehren?

Ehrlich gesagt, ich weiß es noch nicht. Vielleicht, wenn ich etwas Konstruktives für mich oder andere aufbauen könnte.

Excite-Serie: Leben und Arbeiten in Deutschland - Erfahrungsberichte von Ausländern

Welche Erfahrung hast du in Berlin gemacht?

Viele und ganz unterschiedliche. Am Anfang war ich so vielen Nöten ausgesetzt - ich musste irgend einen Job finden und eine Wohnung - gar nicht so einfach, wenn man keinerlei Sicherheiten vorweisen kann. Am Ende hat sich aber alles zum Guten gewendet - auch wenn es ein bisschen gedauert hat.

Die ersten anderthalb Jahre habe ich in vier verschiedenen Restaurant gearbeitet - als Barmann, Kellner, Tellerwäscher und Küchenhilfe. Nebenher habe ich versucht, Deutsch zu lernen - was mich viel Kraft gekostet hat und ich wenig Zeit hatte bei den vielen Jobs. Für eine kurze Zeit habe ich unter der Woche in einer Grafikagentur gearbeitet und am Wochenende in einer Bar - und nebenher habe ich mich auch noch meinen eigenen Projekten gewidmet - damals eine Linie von bedruckten T-Shirts und Pullis. Und selbstverständlich habe ich das Berliner Nachtleben entdeckt und gelebt - was mich teilweise verwirrt, aber auch irgendwie hat wachsen lassen.

Eine feste Beziehung und das Zusammenleben mit jemandem hat mich dann ruhiger werden lassen - ich habe mich wieder darauf konzentriert, was ich eigentlich in Berlin wollte und was ich mir habe aufbauen wollen. Ich habe weiterhin in einem italienischen Restaurant gearbeitet, abends habe ich weiterhin Deutsch gelernt. Und ich habe begonnen, als Freelancer zu arbeiten.

Als ich dann den Job in dem Restaurant verlor, stand ich aber plötzlich ohne alles da. Ich habe mich schließlich an das Job Center gewendet und dort große Hilfe erfahren - erstens finanzielle Unterstützung. Und endlich konnte ich in Ruhe meine Deutschkenntnisse auf ein akzeptables Niveau bringen. Darüber hinaus haben sie mir einen Fotografie-Kurs bewilligt, den ich in Kürze abschließen werde.

Meine Lebens- und Arbeitssituation wendet sich also zum Guten - und auch wenn mein Weg nicht immer leicht und verbunden mit Opfern war, so bin ich mir doch bewusst darüber, dass all die Erfahrungen die ich in Berlin bisher sammeln durfte und alle Menschen die mir begegnet sind, eine große Unterstützung für mich waren und mir geholfen haben, weiter zu kommen. Diese Stadt ist magisch, ganz ehrlich! Für mich bedeutet sie Freiheit - Pros und Contras eingeschlossen.

Welche Rat gibst du anderen mit auf den Weg?

Wer die Absicht hat nach Berlin zu gehen, sollte sich darüber im Klaren sein was er will und welche Bedürfnisse er hat - und nicht davon abweichen. Berlin als Stadt birgt ihre Gefahren - ich habe eine ganze Menge von Leuten kennengelernt, die trotz Universitätsabschluss und großer Vorhaben irgendwann "stecken geblieben" sind und sich im Kreis drehen - als Kellner jobben und sich schon zu lange und so intensiv dem Nachtleben hingeben, dass sie darüber vergessen haben, wer sie sind und weshalb sie eigentlich gekommen sind.

Excite-Serie: Leben und Arbeiten in Deutschland - Erfahrungsberichte von Ausländern

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