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Wie leben Ausländer in Deutschland? Erfahrungen von Leicy Esperanza - chilenische Schauspielerin, Yoga-Lehrerin und junge Mutter

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Hallo, wer bist du, stellst du dich kurz vor?

Hallo, meine Name ist Leicy Esperanza Valenzuela Retamal - ja, ein langer Name für manche Deutschen. Ich bin 29 Jahre alt und ich komme aus Santiago de Chile. Chile ist ein sehr schönes Land, das am Ende (oder Anfang) Lateinamerikas liegt. Von Santiago aus kann man zwei Stunden Auto fahren und man ist dann entweder ganz oben in den Bergen "Los Andes" oder am Strand, wo man die überwältige Schönheit des Pazifische Ozeans betrachten kann. Die Chilenen sind nicht die typischen "Latinos" wie man sie sich vorstellt. Wir tanzen keinen richtigen Samba oder Salsa, aber trotzdem tanzen und feiern wir gerne. Und sind wir sind bestimmt auch lauter als die Deutschen.

Wie lange lebst du schon in Deutschland und was hat dich hierher verschlagen?

Ich bin jetzt seit drei Jahren in Berlin. Ich muss sagen, dass die ganze Geschichte nur ein großer Zufall gewesen ist. Das erste Mal als ich hierher gekommen bin, war das wegen eines Stipendiums - ich wollte an einem Workshop für "Physical Theatre und experimentellem Tanz" teilnehmen. Damals habe ich mich in Berlin verliebt. Es war August und alles war grün und freundlich. Gleich in der ersten Nacht habe ich auch einen deutschen Mann kennengelernt und genau diese Nacht und dieser Mann haben mein Schicksal verändert. Um die Geschichte zu verkürzen, zwei Jahre später bin ich zum dritten Mal nach Berlin gekommen - aber dieses Mal, um hier zu leben da ich schwanger war und immer noch verliebt in meinen Deutschen und in die Stadt. Mir gefällt am besten, das man in Berlin arbeiten, die besten Theater besuchen, Party machen und interessante Leute aus der ganze Welt kennenlernen kann, es aber dennoch viele Parks und Natur gibt, man sich also auch von dem Lärm der Stadt erholen kann.

Was hast du vorher gemacht?

In Santiago habe ich Theaterschauspiel studiert, danach habe ich für zwei Jahre im "Chilenischen National Theater" als Schauspielerin und Regieassistentin gearbeitet. Danach habe ich in Bolivien, Santiago, Berlin und Indien gewohnt, gearbeitet und gelernt. Ich interessierte mich immer für das Training der Schauspieler, deswegen habe ich in Indien Kathak Tanz gelernt und eine Yoga Ausbildung gemacht. Ich dachte, damit könnte man immer und überall arbeiten und das war auch ganz gut - am Anfang hat es mir auch in Berlin sehr geholfen.

Was machst du jetzt?

Zusammen mit meiner besten Freundin und Kollegin habe ich 2009 eine Performance-Gruppe gegründet, die Pink Valley heißt. Wir arbeiten und machen Vorstellungen in Berlin, die nächste ist das D-Projekt und wird Ende November 2014 im Theater Haus Mitte präsentiert. Seit zwei Jahren unterrichte ich jeden Montag "Yoga auf spanisch" in der Volkshochschule Mitte und ich habe gerade mit meinem Master Studium für Theaterpädagogik an der UDK angefangen. Ich bin auch seit zweieinhalb Jahren Mutter, was für mich das beste Geschenk des Lebens ist - ich lerne viel von meinem Sohn, ich erlebe eine unendliche Liebe - aber ich arbeite auch viel.

Willst du irgendwann nach Chile zurückkehren?

Ich weiß noch nicht wann, aber ich will zurück nach Chile, vielleicht nur für ein paar Jahre. Meine Familie ist dort und ich vermisse sie sehr, aber in Berlin habe ich auch Familie und ich habe hier ein neues Leben angefangen. Der Plan ist bis jetzt, in Chile nur Urlaub zu machen.

Leben und Arbeiten in Deutschland - Erfahrungen von Ausländern

Welche Erfahrungen hast du in Berlin gemacht?

Ich mache meistens gute Erfahrungen in Berlin, sonst würde ich zurück nach Chile gehen. Ich denke das beste ist, hier eine Mutter zu sein. Es gibt so viele Möglichkeiten und Aktivitäten wie Kinder-Cafés, Spielplätze, Bauernhöfe, Theater für Kinder usw. Schwierig ist allerdings, das es viele Kinder gibt, aber zu wenig Kita Plätze und auch die Schulen in Berlin sind nicht bekannt für eine gute "Qualität". Aber ich glaube, insgesamt kann man eine gute Lebensqualität in Berlin mit Kindern haben, es gibt viel Unterstützung für die Familien, auch von der Regierung. Ich fand besonders gut, dass die Eltern sich die Zeit mit ihren Babies teilen können (Elternzeit), das habe ich nur hier erfahren. Die Berliner sind nicht das, was ich höflich nennen würde, am Anfang können sie sehr "rude" sein. Aber wenn du die Sprache lernst, dann verstehst du, wie sie miteinander und mit anderen reden und am Ende können sie auch lustig und süß sein. Ich muss sagen, dass ich mich erst wirklich wohl fühlen konnte und viele Deutsche wirklich kennengelernt habe, nachdem ich die Sprache konnte. Ich muss auch sagen, dass Berlin meine Lieblingsstadt ist, leider verändert sie sich sehr schnell, aber ich hoffe das die Berliner Luft (also die Stimmung und der Spirit) bleibt.

Welchen Rat gibst du anderen mit auf den Weg?

Mein Rat wäre, dass man in Berlin Geduld haben muss. Erstens, weil besonders die Berliner sehr speziell sind und dann, weil die deutsche Sprache schwer ist. Es braucht viel Zeit, bis du wirklich deine Meinung sagen kannst und bis zu diesem wunderschönen Moment fühlst dich voll dumm. Aber keine Panik, manchmal (wenn auch nicht immer) ist der Weg zu unserem Ziel ist viel interessanter und lustiger als der Ziel selbst. Ich habe viele Freunde in Sprachkursen kennengelernt und auch viele Mütter. Ich bin der Meinung, dass, wenn du fühlst, das du einem Weg folgen musst, du es auch einfach machen und genießen solltest. Ich muss sagen, das ist viel Arbeit, neue Kontakte und Freunde zu finden, Arbeit zu suchen und mit der Kultur klar zu kommen. Aber es lohnt sich.

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